Jens Franck zeigt anhand von drei Ideen auf, wie noch Erträge im Niedrigzinsumfeld erwirtschaftet werden können. Foto: profepix Quelle: istock

Was machen Investoren bloß mit ihren Gewinnen – Wiederanlage als Problem

Autor: Jens Franck

Es ist eine verrückte Welt – negative Zinsen sind das neue Normal: Deutsche Staatsanleihen rentieren selbst bei 30 Jahren Laufzeit mit einer kaum wahrnehmbaren Rendite von knapp über null, und sogar Anleihen von Siemens versprechen erst ab einer Laufzeit von sechs Jahren eine positive Rendite. Ein Silberstreif am Zinshorizont ist nicht in Sicht. Jens Franck, Portfolio Manager beim Hamburger Fixed-Income-Spezialisten nordIX, erläutert im Gastbeitrag, welche innovativen Fixed-Income-Lösungen nordIX ihren Investoren bietet, um Erträge im Niedrigzinsumfeld zu erwirtschaften.

Jens Franck, Portfolio Manager nordIX Quelle: nordIX

25 Prozent der weltweit ausstehenden Investment-Grade-Anleihen weisen inzwischen eine negative Rendite auf. Für all diejenigen, die in Anleihen investiert sind, ist dies eigentlich eine gute Nachricht: Wer Anfang 2019 eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit gezeichnet hat, freut sich darüber, dass der Titel heute mit einem Kurs von knapp über 105 Prozent gehandelt wird; eine Year-to-Date-Performance von über 5,56 Prozent. Wer nun aber darüber nachdenkt, die Kursgewinne zu realisieren, ist unausweichlich mit der Frage konfrontiert, wie die Erträge sinnvoll reinvestiert werden können, ohne neuerliches Risiko aufzubauen. Welche drei Strategien setzt nordIX in seinen verwalteten Sondervermögen ein, um Rendite zu erwirtschaften und Erträge zu optimieren?

Idee 1: Mehr Rendite im höheren Rang

Auch wenn die Zinsentwicklung, insbesondere für den Banken- und Versicherungssektor, eine Bürde darstellt, ist die Branche, gerade angesichts der stetig steigenden regulatorischen Anforderungen, als Anleiheschuldner in der Regel eine solide Wahl. Wollen Investoren mit Rentenpapieren der „Financials“ eine positive Rendite erzielen, ist allerdings meist der Blick in die zweite Reihe, also in den Bereich der Nachranganleihen, erforderlich. Hier finden sich Möglichkeiten, auch im Laufzeitenband unter fünf Jahren noch Renditen von mehr als drei Prozent zu realisieren. Ein Beispiel ist eine 2028 fällige, allerdings 2023 vorzeitig kündbare Nachranganleihe höheren Ranges (Tier-2 beziehungsweise Ergänzungskapital) der IKB Bank. Die Anleihe bietet immer noch eine Einstandsrendite von 4,85 Prozent auf den Call 2023 gerechnet und generiert damit eine positive Realverzinsung, zumal die Bank aus regulatorischer Sicht vollumfänglich berichtet. Ein weiteres Beispiel ist eine „Restricted“ Tier-1-Anleihe der niederländischen Versicherungsgruppe ASR Nederland NV. Die Anleihe wurde ursprünglich 2017 mit einem Kupon von 4,625 Prozent begeben, nun hat die Emittentin den Kapitalmarkt erneut „angezapft“ und die ursprüngliche Emission von 300 Millionen Euro um weitere 200 Millionen aufgestockt. Der Titel bot Investoren eine stolze Einstandsrendite von über vier Prozent. Die ASR ist nach unserem Dafürhalten solide aufgestellt und hat für das erste Halbjahr 2019 sowohl aus regulatorischer als auch aus ökonomischer Sicht überzeugende Zahlen geliefert. Die wichtige Solvency-II-Ratio beläuft sich auf ausreichende 191 Prozent, und die nicht minder bedeutsame Combined- beziehungsweise Schaden-Kosten-Ratio liegt in allen Segmenten deutlich unter den vergleichbaren Werten des Jahres 2018.

Idee 2: Abschöpfen von Neuemissionsprämien

Wer sich aktiv mit den Neuemissionen am Anleihenmarkt beschäftigt, erkennt immer wieder vielversprechende Gelegenheiten, bei denen ein Emittent die Platzierung seiner neuen Anleihen durch einen entsprechenden Renditeaufschlag erleichtern will. Ein Beispiel ist eine Neuemission des französischen Unternehmens La Poste, der staatlichen Postgesellschaft, die im September 2019 mit einem Kupon von 0,375 Prozent auf den Markt kam. Mit einer Laufzeit von acht Jahren und einem Rating von „A“ eine solide, aber auch nicht außerordentlich verlockende Ausstattung. Attraktiv an diesem Titel, der zu einem Preis von 99,953 Prozent auf den Markt kam, war allerdings die Neuemissionsprämie von etwa 20 Basispunkten im Vergleich zu bestehenden Anleihen desselben Emittenten mit gleicher Laufzeit. Wer die Anleihe zum günstigen Zeichnungspreis erworben hat, konnte sich über eine sehr positive Kursentwicklung freuen, da der Titel den Renditeaufschlag in Form von Kursgewinnen relativ schnell aufgegeben hat. Auch wenn dieser Kursanstieg auf ein Niveau von mehr als 101 Prozent innerhalb weniger Wochen nicht nur auf den Abbau der Neuemissionsprämie, sondern ganz wesentlich auch auf Zinseffekte zurückzuführen ist, kann durch die Teilnahme an solchen Neuemissionen doch in vielen Fällen ein attraktiver Zusatzertrag vereinnahmt werden. Dieser ist oft höher als der laufende Kupon des zugrundeliegenden Titels. Im Einzelfall hängt es sehr von der Ausstattung der neuen Anleihe, vom ausstehenden Volumen und von der Liquidität des Titels ab, ob und in welchem Zeitraum sich der Preis einer Neuemission an die ausstehenden Anleihen annähert und ob tatsächlich eine Neuemissionsprämie realisiert werden kann.

Idee 3: Prämieneinnahmen mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps)

Eine dritte Alternative zur Steigerung des Ertrags bei Wiederanlagen ist die Nutzung von Credit Default Swaps, die allerdings nur institutionellen Investoren beziehungsweise Investmentfonds vorbehalten ist. Der Anlagenotstand am Anleihenmarkt und die Erwartung der positiven Wirkung des neuen Anleihenkaufprogramms der EZB führen in vielen Fällen zu einer nachfrageinduzierten Einengung der Credit Spreads, die Preise der am Markt erhältlichen Anleihen sind hierdurch häufig höher als der unter Berücksichtigung des Kreditrisikos theoretisch angemessene Preis. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, statt eines Anleihekaufs den Verkauf eines Credit Default Swap (CDS) in Erwägung zu ziehen; beide Transaktionen gehen einher mit der Übernahme des Kreditausfallrisikos durch den Emittenten. Mitunter übersteigt die Prämie, die man bei Veräußerung des CDS erhält, den in der Rendite der Anleihe enthaltenen Risikoaufschlag. Beispielhaft sei der französische Immobilienentwickler Unibail-Rodamco genannt, der über ein solides „A“-Rating verfügt: Wer als Sicherungsgeber für andere Investoren auftritt und diese bei Zahlungsausfall von Unibail-Rodamco entschädigt, erzielt eine Überrendite von 0,21 Prozent per annum gegenüber dem Kauf einer vergleichbaren Anleihe desselben Emittenten. Aus Risiko- und Renditesicht sind sowohl der Käufer der Anleihe als auch der Sicherungsgeber der Kreditausfallversicherung dem gleichen Risiko ausgesetzt, nämlich dem Zahlungsausfall.

Die nordIX AG ist auf die Entwicklung und Umsetzung von Fixed Income- und Credit-Strategien spezialisiert und bringt diese Kompetenz unter anderem beim Management des nordIX Treasury plus (DE000A2DKRH6) und des nordIX Basis UI (DE000A2AJHF9) ein.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der genannten Anleihen dar oder eine Investmentempfehlung. Die nordIX AG gibt keine Garantie, weder explizit noch indirekt, und trägt weder Verantwortung noch Haftung für Exaktheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen. Auf eine Änderung des Inhalts dieser Veröffentlichung muss die nordIX AG nicht hinweisen. Die nordIX AG ist ferner nicht verpflichtet, die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen zu aktualisieren oder zu verändern. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine Prognosen für die Zukunft. 

Autor: Jens Franck
Erscheinungsdatum: 13.11.2019