Einige Trends zeichnen sich bereits ab, etwa die nochmals steigende Nachfrage nach Telekommunikations- bzw. Dateninfrastruktur. Foto: tiero Quelle: iStock

Infrastrukturinvestments im veränderten Marktumfeld

Autor: Dr. Sofia Harrschar

Die Corona-Krise hat auch den Markt für Infrastrukturinvestments verändert. Einige Trends zeichnen sich bereits ab, etwa die nochmals steigende Nachfrage nach Telekommunikations- bzw. Dateninfrastruktur. Die Auswertungen von Universal-Investment zeigen: Über viele Jahre erfreuten sich Infrastrukturinvestments wachsender Beliebtheit bei Investoren. Insgesamt dürften die Vorteile der Anlageklasse Infrastruktur auch weiterhin überwiegen.

Dr. Sofia Harrschar, Member of the Board, Executive Director, Head of Alternative Investments, Universal-Investment Foto: Axel Habermehl Quelle: Universal-Investment

Dieser Artikel richtet sich an professio­nelle und semi-professionelle Investoren.

Flugzeuge in der Zwangspause, Einbruch des öffentlichen Nahverkehrs, Stromnachfragerückgang durch den Stopp der Industrieproduktion: schlechte Nachrichten für Infrastrukturinvestments – zumindest für einige. Denn auf der anderen Seite ist ein deutlicher Anstieg des Internet-Datenverkehrs zu verzeichnen, eine funktionierende Verwaltungsinfrastruktur ist wichtig wie nie und die wohl nun noch länger anhaltende Niedrigzinsphase dürfte die Nachfrage von Investoren nach Alternative Investments nochmals verstärken. Wie genau sich die Corona-Krise auf welche Bereiche von Infrastrukturinvestments auswirken wird, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. In jedem Fall dürfte COVID-19 die Branche nachhaltig verändern.

Die Jahre vor der Corona-Krise waren Boomjahre für Alternative Investments und die in der Regel den Alternative Investments zugerechneten Infrastrukturanlagen. Dem Datenanbieter Preqin zufolge erreichten – nachdem 2018 die 500-Mrd.-US-Dollar-Grenze überschritten wurde – die Assets under Management in Infrastrukturanlagen 2019 weltweit ein neues Rekordhoch von 582 Mrd. US-Dollar (Stand Juni 2019).1

Anlageklasse mit vielen Vorzügen

Für Infrastrukturinvestments spricht einiges: die attraktiven Renditen im Niedrigzinsumfeld, die häufig niedrigen Korrelationen zu anderen Anlageklassen, die meist geringe Volatilität, regelmäßig stabile und vorhersehbare Cashflows, die zusätzliche Diversifikation des Portfolios und der in vielen Strukturen gegebene implizite Inflationsschutz. Die Zugangsmöglichkeiten sind vielfältig und weisen unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile auf: Direktinvestments auf der einen Seite, Fondsinvestments auf der anderen, entweder als Eigenkapital- (Aktien, Beteiligungen, Öffentlich-Private Partnerschaften / ÖPP) oder als Fremdkapitalinvestment (Anleihen, Kredite).

Die Nachfrage nach Infrastruktur ist zudem in der Regel stabil und unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur – Situationen wie die tiefgreifende Corona-Krise bilden sicher die absolute Ausnahme. Darüber hinaus haben Infrastrukturprojekte oft eine sehr lange Laufzeit, im Fall von Strom- oder Gasnetzen zum Beispiel von vielen Jahrzehnten. Das passt zu den langfristigen Zahlungsverpflichtungen von Versicherern und Pensionskassen.

Private-Equity- und Private-Debt-Strukturen mit deutlichem Anstieg

Das Wachstum von Infrastrukturinvestments hat sich auch in den Zahlen von Universal-Investment niedergeschlagen.

Diese machen deutlich: Nicht nur der Markt für Alternative Investments im Allgemeinen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, sondern auch der für Infrastrukturinvestments. So hat sich das Volumen der auf Alternative Investments spezialisierten Strukturen in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht auf mittlerweile über 50 Mrd. Euro (Stand: 31.12.2019).

Der Anstieg von Private Equity war besonders hoch, doch auch der Inventarwert von Infrastrukturinvestments ist seit 2015 von 2,5 Mrd. Euro auf 6,1 Mrd. Euro im Jahr 2019 gestiegen, siehe Grafik (Stand: 31.12.2019). Damit machten Infrastrukturinvestments 20 % an den gesamten Private-Equity-Strukturen im Bestand von Universal-Investment aus.

Private-Equity-Strukturen: Infrastrukturinvestments mit deutlichem Anstieg, machen gut ein Fünftel bei den Underlyings aus

Im Vergleich dazu liegen die Infrastrukturinvestments in Private-Debt-Strukturen bei 15 % per 31. Dezember 2019. Dabei sind die Infrastrukturinvestments von 263 Mio. Euro 2015 auf 1,4 Mrd. Euro 2019 gestiegen (Stand: 31.12.2019).

Private-Debt-Strukturen: Deutliches Plus an Infrastruktur-investments, sie machen 15 % bei den Underlyings aus

Infrastrukturinvestments nach der Krise: Weiter wie gehabt?

Der Datenanbieter Preqin hatte vor der Corona-Krise für 2020 und die Folgejahre ein anhaltendes kräftiges Wachstum von Infrastrukturinvestments prognostiziert: Für 2020 erwartete Preqin das Erreichen der 700-Mrd.-US-Dollar-Marke an Assets under Management, für Ende 2022 sogar 1 Billion US-Dollar. Ob das erreicht wird, ist Stand heute nicht abzusehen. Wahrscheinlich sind indessen veränderte Investmentströme.

Doch wie könnte sich die Corona-Krise auf den Markt für Infrastrukturinvestments auswirken? Hier einige Hypothesen:

Mögliche positive Auswirkungen:

  • Im Rahmen der von zahlreichen Regierungen bereits verkündeten oder in Aussicht gestellten Konjunkturprogramme zur Behebung der Krise ist mit einer Ausweitung öffentlicher Infrastrukturaufträge zu rechnen. Angesichts vielerorts leerer Staatskassen könnte auch die Zahl Öffentlich-Privater Partnerschaften steigen.
  • Steigen dürfte auch die Nachfrage nach Telekommunikations- bzw. Dateninfrastruktur, da die Krise den Trend hin zur Digitalisierung beschleunigt. Homeoffice, Online-Shopping, Online-Behördengänge, Online-Unterhaltung (Gaming, Streaming) und Online-Unterricht dürften sich noch mehr verbreiten.
  • Auch für die Verwaltungsinfrastruktur ist ein wachsender Bedarf wahrscheinlich, denn die Krise hat gezeigt, wie wichtig ein funktionierender Staat ist.
  • Die weltweiten Notenbanken haben auf die Corona-Krise mit beispiellosen Liquiditätsmaßnahmen reagiert. Steigende Zinsen sind dadurch auf mittlere Sicht nochmals unwahrscheinlicher geworden und renditeträchtige Alternativen zu Anleihen nochmals attraktiver.

Mögliche negative Auswirkungen:

  • Die Nutzung von Verkehrsinfrastruktur (Mautstraßen, -brücken, Bahnlinien, Flughafen-/Hafenbetreiber) ist durch den Shutdown rasant zurückgegangen, eine schnelle Erholung auf die Niveaus von 2019 ist unwahrscheinlich. Zu erwarten sind zum Beispiel geringere Mauteinnahmen für Straßen und Brücken. Ein Lichtblick ist, dass der Warenverkehr bisher noch vergleichsweise konstant geblieben ist.
  • Im Bereich Energieinfrastruktur könnte der auch durch die Corona-Krise extrem niedrige Ölpreis nun zu einem Rückgang bei (eventuell nun weniger rentablen) Erneuerbare-Energien-Projekten führen. Auch der zumindest zeitweise deutliche Rückgang der Stromnachfrage durch den Stopp der Industrieproduktion ist ein Negativfaktor.
  • Für alle Sektoren gilt, dass die Störung von Lieferketten und der zeitweilige Shutdown von Behörden/Ämtern, Planungsbüros und Baustellen die Realisierung von Projekten verlängern und verteuern könnte.

Bei allen Belastungen durch die Krise: Längerfristig dürfte der Verkehr wieder wachsen – allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung und des steigenden Wohlstands in vielen Emerging Markets. Zudem steht der ohnehin wohl nur vorübergehend gesunkenen Stromnachfrage der Industrie schon jetzt eine steigende private Stromnachfrage durch die Verlagerung von Arbeit nach Hause und die fast vollständige Umstellung auf digitale Kommunikation gegenüber. Mit Bewältigung der akuten Krise dürfte auch die CO2-Neutralität wieder in den Fokus kommen und die Umstellung auf erneuerbare Energien fortschreiten.

Zu den Kernaufgaben eines solchen Partners gehören:

  • Institutionelle Investoren bei der individuellen Konstruktion und Strukturierung von Infrastrukturinvestments zu begleiten
  • AIFM-Services mit wahlweise unterschiedlicher Domizilierung bereitzustellen
  • Ein breites Spektrum an Zielinvestments und Investmentstrukturen anzubieten: vom Aufsetzen über die Administration bis hin zum Reporting. Dabei bietet ein „One-Stop-Shop“ aufgrund der Komplexität der Anforderungen viele Vorteile für institutionelle Investoren: Sie bekommen bei Bedarf alles aus einer Hand.

Zusammenarbeit mit erfahrenem Strukturierungspartner

Infrastrukturinvestments dürften daher – bei allen Veränderungen – gefragt bleiben. Dabei gilt aber zu beachten, dass es sich um komplexe Investitionen handelt – regulatorisch, steuerlich und administrativ. Nach wie vor ist wichtig zu beachten: Den einen, für alle „richtigen“ Zugang gibt es nicht. Das jeweils anwendbare Investment-, Steuer- und Aufsichtsrecht spielt eine Rolle, ebenso die Erfahrung des Investors mit Infrastrukturinvestments und die geplante Investitionssumme. Auch das Risikoprofil des Investors muss berücksichtigt werden. Zu klären ist gegebenenfalls auch, ob die Kapitalanlagen den Solvency-II-Regeln bzw. der Anlageverordnung unterliegen oder ob lediglich interne Regelwerke zu beachten sind.

Die Krise hat darüber hinaus erneut gezeigt, wie wichtig möglichst flexible Strukturen sind, um schnell reagieren zu können. Vor diesem Hintergrund bietet es sich für interessierte Investoren an, mit einem erfahrenen Strukturierungspartner zusammenzuarbeiten. Das gewährt Zugriff auf die erforderliche Expertise und ermöglicht eine individuell zugeschnittene Lösung. 

Dieser Artikel ist bereits im BAI-Newsletter III/2020  erschienen. 

Autor: Dr. Sofia Harrschar
Erscheinungsdatum: 29.07.2020