Drucken:

News

Stiftungsfonds: „Nachhaltigkeit kostet keine Rendite“

Autoren: Andreas Fritz, Frauke Morwinski

Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2021

  • Fondsauflage
  • Publikumsfonds
Wald ESG-Ratings sind fester Bestandteil im Investmentprozess des H&H Stiftungsfonds. Foto: ooyoo Quelle: iStock
Die Erwartungen an die Fondsindustrie sind hoch: Einige Anleger wünschen sich nachhaltige Geldanlagen mit wenig Risiko, guten Renditen und ausgeklügelten ESG-Konzepten, die die Welt Schritt für Schritt zum Besseren wandeln. Dies haben sich Andreas Fritz, Portfolio- und Fondsmanager, und Frauke Morwinski, Portfoliomanagerin, beide von Hansen & Heinrich, zum Ziel gesetzt. Sie erklären im Gastbeitrag, wie Hansen & Heinrich ESG in den Investmentprozess des H&H Stiftungsfonds integriert und warum Nachhaltigkeit ihrer Erfahrung nach keine Rendite kostet.

Abgesehen von Covid-19 hat derzeit kaum ein Thema eine solch ausgedehnte mediale Aufmerksamkeit wie Nachhaltigkeit. Die 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow zeigte zweierlei: Die Zeit drängt, und doch wird diese Veranstaltung nur die Vorgängerin der 27. Ausgabe gewesen sein. Ein globales Vorgehen wäre vonnöten, jedoch findet man im Spannungsfeld zwischen Innovation, Verbot und Verzicht keinen Konsens, siehe Glasgow. Im Bereich der Fondsindustrie hat die Europäische Union mit der Offenlegungsverordnung erste konkrete Anhaltspunkte geliefert. Mit dieser Verordnung werden Fondsgesellschaften verpflichtet, jeden Fonds in eine von drei Kategorien einzuordnen, wobei der Grad der Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien jeweils ansteigt. Ziel ist es, die globalen Kapitalströme derart zu steuern, dass Unternehmen aus Eigennutz zu nachhaltigem Wirtschaften gedrängt werden.

Anlegermotivation von Stiftungen
An den Kapitalmärkten ist ein stetiger Anstieg der Volumina in nachhaltigen Investments offensichtlich und aus unserer Sicht kein einmaliger Modetrend. Wir betreuen in unserer Vermögensverwaltung viele Stiftungen, von denen wir wissen, dass sie Nachhaltigkeit intrinsisch motiviert und bewegt. Dabei spielen neben den Nachhaltigkeitsaspekten auch strategische Ziele, wie die Ausschüttung von laufenden Erträgen und der langfristige Vermögenserhalt, eine Rolle.

Investmentprozess: Elementar bleibt, den Prozess selbst zu steuern.
In unserem internen Investmentprozess berücksichtigen wir neben der traditionellen Unternehmensbewertung als festen Bestandteil auch ESG-Ratings. Externe Rating-Agenturen wie Refinitiv und MSCI liefern uns eine Vielzahl entsprechender Daten, die durch persönliche Unternehmensgespräche ergänzt werden. Das bloße Zurückgreifen auf „fertige“ externe Ratings ist nicht empfehlenswert, da die Prozesse nicht immer nachvollziehbar sind. Zudem berücksichtigen wir Daten und Analysen verschiedener Rating-Agenturen. Durch unterschiedliche Ansätze werden sehr differenzierte Ergebnisse ermittelt, die uns dabei helfen, uns ein besseres Gesamtbild zu verschaffen. Elementar bleibt, den Prozess selbst zu steuern. Erscheinen externe Reportings zu einem Unternehmen nicht nachvollziehbar oder erreichen die ESG-Ratings nicht unsere Mindestparameter, wird nicht investiert. Dazu gehören Branchen wie zum Beispiel Alkohol, Atomkraft, Kohle, Tabak oder Waffen. Gleichzeitig haben wir strikte Ausschlusskriterien, wie Kinderarbeit, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen. Unsere Vorgabe: Unser eigener ESG-Rating-Prozess kann hierbei immer nur strenger sein als das, was uns externe Daten liefern. Im Rahmen der klassischen Unternehmensanalyse legen wir unser Augenmerk besonders auf die Stabilität des Geschäftsmodells, auf gute Unternehmensführung sowie eine kontinuierliche Dividendenpolitik. Das zusammengestellte Portfolio ist dabei nicht statisch, es kommt sowohl aus Renditeaspekten, aber auch aufgrund von Nachhaltigkeitskriterien zu einem kontinuierlichen Austausch von Einzeltiteln. Dabei unterstützt uns ein computergesteuertes Analysesystem. Rund 500 globale Unternehmen durchlaufen dabei unseren Auswahlprozess. Vorab filtert das Analysesystem die Gesellschaften heraus, die unseren Mindeststandards (Mindestscore + 6 Ausschlüsse + 3 Maximalgrenzen) an Nachhaltigkeitskriterien nicht entsprechen.

Drei Ertragsquellen

Mit einem Mix aus Erzielung von Optionserträgen, qualitativ hochwertigen Aktien sowie einem breit diversifizierten Anleiheportfolio – mit mehr als 150 Einzeltiteln – erzielten wir in den letzten Jahren gute Ergebnisse.

H&H Stiftungsfonds: Drei Ertragsquellen
Nachhaltigkeit kostet keine Rendite. Diese Aussage können wir aufgrund unserer Erfahrung nur unterstreichen, da wir seit Jahren in diesem Segment mit unserem H&H Stiftungsfonds (ISIN DE000A2H7PP6 (AK A)) erfolgreich am Markt unterwegs sind. Mit dem auf Kapitalerhalt und regelmäßige Ausschüttungen fokussierten H&H Stiftungsfonds setzen wir auf drei Ertragsquellen. Eine Schlüsselrolle kommt hier neben klassischen Zins- und Dividendenerträgen den Optionsprämien zu. So veroptionieren wir einzelne Aktien mit Stillhaltergeschäften an der Terminbörse. Die Optionsprämien machten im vergangenen Jahr rund ein Drittel der Ausschüttungen aus. Wenn die Marktvolatilität ansteigt, verkaufen wir Put-Optionen. Bei starken Kursrückgängen von Qualitätstiteln kaufen wir Aktien auch direkt. Die Aktie dient dabei als Mittel zur Erzielung von Optionsprämien. Das glättet insgesamt die Volatilität und schont die Nerven der Anleger. Mit einem Mix aus Erzielung von Optionserträgen, qualitativ hochwertigen Aktien sowie einem breit diversifizierten Anleiheportfolio – mit mehr als 150 Einzeltiteln – erzielten wir in den letzten Jahren gute Ergebnisse und werden auch in diesem Jahr voraussichtlich unsere angestrebte Ausschüttungsquote von drei Prozent erreichen. 

Autoren

Andreas Fritz Hansen u. Heinrich

Andreas Fritz

Portfolio- und Fondsmanager bei Hansen & Heinrich
Frauke Morwinski Hansen u. Heinrich

Frauke Morwinski

Portfolio- und Fondsmanager bei Hansen & Heinrich

Weitere Themen

  • Jochen Abele Eugen Abele Dr. Jürgen Abele ABELE Depotverwaltung ChampionsNews Universal Investment
    Partner News
    27. Januar 2023

    Neuer Fonds für eine Welt im Wandel

    Überbevölkerung, Klimawandel und Ressourcenknappheit: Die globalen Herausforderungen sind vielfältig und komplex. Die schwäbische Investmentboutique ABELE Depotverwaltung sieht in diesen „Challenges“ enorme Chancen. Daher konzipierte das familiengeführte Wertpapierinstitut den ABELE Global Challenger (ISIN DE000A3D05C3). Im Interview mit ChampionsNews sprechen die beiden Fondsberater Dr. Jürgen Abele und Jochen Abele unter anderem darüber, nach welchen Kriterien – auch Nachhaltigkeitsaspekten – sie Aktien auswählen und welche Titel besonders interessant sind. Zudem werfen sie einen Blick auf das Börsenjahr 2023.
    Autoren: ABELE Depotverwaltung, Dr. Jürgen Abele, Jochen Abele Mehr lesen
  • Lutz Röhmeyer Capitulum Asset Management ChampionsNews Universal Investment
    Partner News
    27. Januar 2023

    Die Rückkehr des Zinses

    Verbunden mit den allgemeinen Unsicherheiten an den Kapitalmärkten brachen 2022 die Anleihekurse ähnlich stark ein wie die Aktienkurse und bescherten Anlegern das schlechteste Jahr in der Geschichte der Rentenmärkte. „Aktuell bieten Zinspapiere aber wieder attraktive Renditen und sollten stärker in den Portfolios berücksichtigt werden“, sagt Lutz Röhmeyer, Geschäftsführer für das Portfolio Management der Capitulum Asset Management.
    Autoren: Lutz Röhmeyer, Capitulum Asset Management Mehr lesen
  • Axel Krohne EM-Value ChampionsNews Universal Investment
    Partner News
    27. Januar 2023

    „Ölpreis von 200 Dollar wäre keine Überraschung“

    Der Value-Investor Axel Krohne managt seit sieben Jahren den AvH Emerging Markets Fonds UI (ISIN DE000A1145G6 (AK B)) von EM-Value. Zu den Favoriten des Fonds gehören extrem unterbewertete Aktien, die er oft in Ländern findet, die von anderen Investoren links liegen gelassen werden. Dabei bevorzugt er es, die Unternehmen, in die der Fonds investiert, auch selbst vor Ort in Augenschein zu nehmen.
    Autoren: Axel Krohne, EM-Value Mehr lesen