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Statt abwarten: Erfolg durch aktives Mitgestalten

Autoren: Till Hufnagel

Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2021

  • Fondsauflage
  • Publikumsfonds
Petrus Advisers Till Hufnagel Till Hufnagel, Co-CIO und Head of Activism von Petrus Advisers, Quelle: Petrus Advisers
„Wir investieren nicht einfach und hoffen auf Erfolg, sondern tragen aktiv dazu bei“, so die Devise von Till Hufnagel, Co-CIO und Head of Activism von Petrus Advisers. Was ein „aktives Engagement“ bei der Fondsboutique bedeutet und wie die Umsetzung genau in der Praxis aussieht, erläutert Hufnagel im nachstehenden Beitrag. Außerdem erklärt er, wie das Fondsmanagement attraktive Ideen für neue Investitionen des „UI – Petrus Advisers Special Situations Fund UCITS“ findet und welche Branchen aktuell interessant sind.

Herr Hufnagel, Sie selbst bezeichnen Ihre Herangehensweise als „aktives Engagement“. Wie ist hier Ihre Definition und welche Ziele verfolgen Sie damit im UI – Petrus Advisers Special Situations Fund UCITS (ISIN LU1214677046 (AK I)*)?

Hufnagel: Wir fokussieren uns mit unserer Investmentstrategie vor allem auf Unternehmen, bei denen wir durch aktives Engagement Wert schaffen können. Das heißt, wir investieren nicht einfach und hoffen auf Erfolg, sondern tragen aktiv dazu bei. Wo es möglich ist, tun wir dies konstruktiv. Nur wenn wir uns mit einem Unternehmen darauf einigen, dass wir uns eben nicht einig sind, verfolgen wir unsere Agenda öffentlich. Bei der Aareal Bank zum Beispiel haben wir deutlich mehr als ein Jahr sehr eng mit der Führung der Bank zusammengearbeitet und uns damals sogar öffentlich hinter die Entscheidung gestellt, einen Minderheitsanteil der Software-Tochter Aareon an ein Private-Equity-Haus zu verkaufen. Leider mussten wir in Folge feststellen, dass unsere Aufrufe, die Kosten des Bankgeschäfts zu senken und dieses nachhaltig profitabel zu machen, nicht genügend aufgenommen wurden. Die von uns geforderte Abtrennung des Software-Geschäfts dauert zu lange.

Wir fokussieren uns mit unserer Investmentstrategie vor allem auf Unternehmen, bei denen wir durch aktives Engagement Wert schaffen können.
Till Hufnagel

Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben. Wo liegt der verborgene Wert der Aareal-Gruppe?

Wir sehen enormen Wert, sowohl bei der Software-Tochter Aareon als auch bei der eigentlichen Aareal Bank. Bei Aareon gilt es, das Wachstum zu forcieren, um die bereits führende Position in einigen europäischen Märkten zügig auszubauen und darüber hinaus zusätzliche digitale Lösungen für Kunden zu entwickeln. Aareon hat das Potenzial, eine der raren europäischen Software-Erfolgsstorys zu werden. Im Bereich Gewerbeimmobilienkreditvergabe, dem eigentlichen Kerngeschäft von Aareal, sehen wir Wertpotenziale vor allem bei Effizienzsteigerungen, dem Ausbau des Kommissions- und Gebührengeschäfts sowie bei der Monetisierung des Hauptquartiers und einer Abspaltung der Pensionsverbindlichkeiten. Darüber hinaus drängen wir seit fast zwei Jahren darauf, dass Aareal als eine der führenden ESG-Banken in ihren Kernmärkten Akzente setzt.

Sie konzentrieren sich auf europäische Länder. Ist das nur dem besseren Marktzugang geschuldet oder sehen Sie hier besonderes Potenzial? Wie finden Sie attraktive Ideen für neue Investitionen?

Als fundamental und engagiert agierende Investoren stellen wir den Anspruch an uns selbst, bei unseren aktiven Investments wie Experten handeln und entscheiden zu können. Das setzt neben Erfahrung mit den Unternehmen und ihren Märkten natürlich auch Kenntnisse lokaler Aspekte, wie Sprache, Rechtssystem, Presse, et cetera, voraus. Dies können wir nur in Europa für uns beanspruchen und dort auch nur für bestimmte Länder und Industrien. Neben den DACH- und Benelux-Regionen investieren wir vor allem in den Central and Eastern European Countries, Italien und selektiv in UK und Skandinavien. Unsere Kernindustrien beinhalten Finanzdienstleister, Industrieunternehmen, Immobilienunternehmen, den Energiesektor, Infrastruktur und neuerdings auch Konsumgüter und Software. Bei der Suche nach neuen Investments nutzen wir neben traditionellen Selektionsfiltern vor allem unser Netzwerk, das neben Experten und ehemaligen Managern auch Strategie- und Unternehmensberater sowie Headhunter und Private-Equity-Firmen beinhaltet.

Und welche Branchen sind derzeit für Sie interessant?

Fast alle unsere Fokusbranchen finden sich im sogenannten Value-Bereich und sind durch solide Cashflow-Generierung gekennzeichnet. Nur selten setzen wir auf klassische Wachstumsunternehmen. Bei der aktuellen Bewertungssituation von Märkten und insbesondere hohen Multiples für Wachstumsunternehmen sehen wir uns damit gut aufgestellt. Momentan sehen wir besonders viele interessante Situationen im europäischen Bankensektor.

Wie gehen Sie mit Risiken im „UI – Petrus Advisers Special Situations Fund UCITS“ um? Welche spezielle Rolle spielt hier die Short-Seite?

Unser Risikomanagement findet sowohl auf der Ebene der einzelnen Positionen als auch auf Portfolio-Level statt. Da wir durch unsere Due Diligence, die teilweise länger als sechs Monate dauern kann, ein gutes Verständnis für die einzelnen Unternehmen entwickeln, versuchen wir, Risiken der einzelnen Engagements zu antizipieren und zu managen. Auf der Short-Seite haben wir sowohl Alpha-Shorts als auch Portfolio-Hedges. Zusätzlich verwenden wir bestimmte Derivatestrukturen, um unsere Kernpositionen zu hedgen.

Stehen die aktuellen ESG-Anforderungen für Sie im Gegensatz zu Ihrem aktivistischen Ansatz?

Ganz im Gegenteil! Wir sind der festen Überzeugung, dass vor allem nachhaltiges Wirtschaften mittel- bis langfristigen Erfolg liefert. Wir nutzen daher unser eigens entwickeltes ESG-Bemessungs-Tool, mit dem wir unsere Portfoliounternehmen einstufen und Verbesserungsmöglichkeiten identifizieren. Zum Thema Governance haben wir in zahlreichen Kampagnen Verbesserungen in den Bereichen Remuneration, Vielfalt in Vorständen und Aufsichtsräten sowie Benachteiligungen von Minderheitsaktionären angeregt und erreicht. Im Bereich Social liegt unser Fokus vor allem auf dem sogenannten Gender Pay Gap, dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle. Bei Environmental unterstützen wir Net Zero 2050, eine neue Initiative der European Climate Foundation. Aktuell ist es insbesondere dieser Bereich, bei dem wir aktiv mit unseren Portfoliounternehmen prüfen, inwieweit genug in Richtung Net Zero hingearbeitet wird. Da viele unserer Portfoliounternehmen Marktführer in ihren Industrien sind, sehen wir sie in der Pflicht, richtungsweisend auf ESG-Ziele wie Net Zero hinzuarbeiten. Wenn wir der Meinung sind, dass dies nicht oder nicht genügend der Fall ist, äußern wir uns auch öffentlich. Wie zum Beispiel bei CA Immo und Immofinanz, wo wir vor kurzem öffentlich ESG-bezogene Verbesserungspotenziale aufgezeigt haben und die Führung aufgefordert haben, diese zu adressieren.

*Es handelt sich hierbei aktuell noch um einen Fonds gemäß Art. 6.

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