Eintrittskarten zum Fondsmarkt: Ohne Fondsdaten – kein Vertrieb Foto: kevinjeon00 Quelle: iStock

Eintrittskarten zum Fondsmarkt: Fondsdaten und -dokumente

Autor: Eva Reiffenstein, Anna Müller, Alexander Ehmann und Steffen Hölscher

Zielmarktdaten, Key Investor Information Documents (KIIDs) und Factsheets – die Fülle an Fondsinformationen ist aufgrund regulatorischer Anforderungen gewachsen. Damit alle Fondsdaten und -dokumente weitgehend vollautomatisiert im nationalen und internationalen Drittvertrieb ankommen, nutzt Universal-Investment den Dienstleister FE fundinfo. Im Interview mit universal spotlight sprechen Alexander Ehmann und Steffen Hölscher, beide Sales Manager Europe bei FE fundinfo, über die Herausforderungen und das enorme Wachstum der Publikationen. Außerdem erklären Eva Reiffenstein, Head of Distribution Network Services, und Anna Müller, Head of Commission Management, beide Universal-Investment, wie sich die Finanzmarktregulierung MiFID II auf die Publikation von Fondsinformationen auswirkt.

Eva Reiffenstein, Head of Distribution Network Services, Universal-Investment Foto: Alexander Habermehl

universal spotlight: Warum lässt Universal-Investment alle fondsbezogenen Dokumente inzwischen durch FE fundinfo publizieren?

Reiffenstein: Durch die stetig wachsende Anzahl der Vertriebspartner in aller Welt war ein Versand in Eigenregie nicht mehr effizient. Aus diesem Grund liefert FE fundinfo als spezialisierter Dienstleister alle fondsbezogenen Daten und Dokumente an unsere Vertriebspartner aus, ohne weiteres Zutun unsererseits und ohne dass für unsere Fondsinitiatoren und die Vertriebe zusätzliche Kosten entstehen.

Alexander Ehmann, Sales Manager Europe, FE fundinfo Foto: Alexander Habermehl

Ohne KIID darf ein Fonds ebenso wenig vertrieben werden wie ein Medikament ohne Beipackzettel.

Alexander Ehmann

universal spotlight: Wie funktioniert die Publikation von Fondsdokumenten?

Ehmann: Wir veröffentlichen auf fundinfo.com alle rechtlichen Dokumente und Daten, die für Anleger wichtig sind. Das sind zum Beispiel KIIDs, Jahres- und Halbjahresberichte sowie die täglichen Fondspreise. Derzeit decken wir auf unserer Website 19 Länder ab, verteilen die Dokumente aber über unseren sogenannten Document Dissemination Service weltweit an Distributoren, Datenprovider und Medienhäuser. Das wichtigste Dokument aus regulatorischer Sicht ist das KIID – ohne KIID darf ein Fonds nicht vertrieben werden. Ich greife hier gerne auf ein Beispiel aus der Pharmabranche zurück: Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Apotheke und möchten ein Medikament holen. Aber der Apotheker darf es Ihnen nicht verkaufen, weil der Beipackzettel fehlt.

universal spotlight: FE fundinfo publiziert nicht nur Dokumente für Universal-Investment, sondern verteilt sie auch an den Drittvertrieb. Welche Wege nutzen Sie für die Verteilung?

Hölscher: Wir haben drei Möglichkeiten, Dokumente zu verteilen: Der meiste Traffic läuft über direkte Schnittstellen zu den Vertrieben. Zur zweiten Möglichkeit gehören individuell erstellte Webseiten. Und drittens besitzen wir ein vollautomatisiertes E-Mail-System über ein Web-Tool.

Steffen Hölscher, Sales Manager Europe, FE fundinfo Foto: Alexander Habermehl

Ohne Zielmarktdaten gibt es keinen Fondshandel.

Eva Reiffenstein

universal spotlight: Was hat sich durch die Finanzmarktregulierung MiFID II verändert?

Reiffenstein: Seit 1. Januar 2018 ist ein Handel von Fondsanteilen nur noch möglich, wenn es Zielmarktdaten gibt. Dabei liefert FE fundinfo in unserem Auftrag einen festgelegten Datensatz in einem festgelegten Format an unsere Vertriebspartner. Ohne diese Zielmarktdaten gibt es keinen Fondshandel.

Müller: Und es gibt verschiedene Formate der „European MiFID“-Vorlage (EMT Templates), wodurch die Herstellung und Verteilung am Markt zusätzlich erschwert werden.

Ehmann: Genau. Insgesamt gibt es für den Markt derzeit drei Formate: EWG, openfunds und ein spezielles Format für WM Datenservice.

Reiffenstein: Alle großen Player verlangen mittlerweile openfunds, das sich derzeit als Standard in Deutschland und Österreich etabliert. Daher stellen wir dieses Format her.

universal spotlight: Woher kommt diese Komplexität?

Hölscher: Das liegt daran, dass die Fondsbranche im letzten Jahrzehnt viel schneller gewachsen ist, als die Investitionen in die entsprechende Technik.

Ehmann: Die Fondsbranche hat den Schwerpunkt auf den Vertrieb gelegt und die Ausweitung der Assets. Sie hat aber übersehen, dass die Anzahl an Daten und Dokumenten exponentiell gewachsen ist. Als ich 2013 bei FE fundinfo angefangen habe, waren es fünf Millionen Dokumente, die wir im Bestand hatten – jetzt sind es 35 Millionen Dokumente.

Anna Müller, Head of Commission Management, Universal-Investment Foto: Alexander Habermehl

Manchmal gibt es bei den Fondsstammdaten ein Henne-Ei-Problem.

Anna Müller

universal spotlight: Wo liegen weitere Herausforderungen?

Müller: Manchmal gibt es bei den Fondsstammdaten ein Henne-Ei-Problem: Der Fonds muss aufgelegt und aktiv sein, damit die Fondsstammdaten bei Banken und Fondsplattformen über Provider wie WM Datenservice zur Verfügung gestellt werden können. Unsere Fondspartner gehen jedoch davon aus, dass ihre Fonds auch am Markt verfügbar sind, sobald Stammdaten bei Universal-Investment angelegt sind.

Reiffenstein: Fonds sind erst handelbar, wenn der jeweilige Vertriebspartner die gelieferten Stammdaten in sein System eingespielt hat. Das kann hin und wieder bis zu zehn Bankarbeitstage dauern. Denn: Der Markt ist riesig, und die Plattformen erhalten Stammdaten für hunderte Fonds, die über sie gehandelt werden. 

Autor: Eva Reiffenstein, Anna Müller, Alexander Ehmann und Steffen Hölscher
Erscheinungsdatum: 27.01.2020