Michael Reinhard, Chief Executive Officer, UniversaI-Investment: "Wir legen immer den Fokus auf Lösungen, die unseren Kunden helfen können." Foto: Manjit Jari Quelle: iStock

Evolution und Revolution

Autor: Michael Reinhard, Chief Executive Officer, Universal-Investment

Der Mut zu Innovationen und neuen Produkten sowie die Umsetzung von Visionen hat Universal-Investment so erfolgreich gemacht. Welche Schwerpunkte sich Michael Reinhard als neuer Chief Executive Officer von Universal-Investment gesetzt hat und wie er die Zukunft des Unternehmens sieht, darüber spricht er im Interview mit universal spotlight.

universal spotlight: Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als neuer CEO?

Reinhard: Strategisch gesehen gibt es unter meiner Führung Kontinuität – schließlich habe ich die Unternehmensstrategie in den vergangenen beiden Jahren mitentwickelt. Universal-Investment wird konsequent die nächsten Schritte auf dem Weg der Internationalisierung und Digitalisierung gehen. Dabei habe ich immer vor Augen, dass wir unseren Erfolg unseren Kunden und Mitarbeitern verdanken.

universal spotlight: Wie will Universal-Investment die Digitalisierung angehen?

Reinhard: Wir haben die Organisation im Unternehmen schon für die neuen Herausforderungen aufgestellt. Das nun seit 50 Jahren erfolgreiche Geschäftsmodell als offene Infrastrukturplattform für die Finanzindustrie wird, wie auch schon in der Vergangenheit, evolutionär Schritt für Schritt weiterentwickelt. Wir legen immer den Fokus auf Lösungen, die unseren Kunden helfen können. Zudem schauen wir auch, wo wir zusätzliche Geschäftsmodelle integrieren können, beispielsweise über Zukäufe, das ist der eher revolutionäre Teil.

Neue Technologien, wie die Distributed-Ledger-Technologie, bieten uns die Möglichkeit, neue Services für Kunden zu entwickeln. Um unsere Marktführerschaft auszubauen, haben wir unsere Investitionen in die Digitalisierung des Fondsgeschäfts um 15 Prozent erhöht. Wir werden in den nächsten drei Jahren zusätzlich über zehn Millionen Euro in Digitalisierungsprojekte und den Ausbau unserer IT-Infrastruktur allokieren. Dies zielt in erster Linie auf Qualitätsverbesserungen sowie zusätzliche Dienstleistungen für unsere Kunden ab, aber auch Effizienzsteigerungen, die Reduzierung manueller Tätigkeiten und ein robusteres Risikomanagement sind sehr positive Nebeneffekte. Stichworte für neue Technologien und neue Denkansätze sind: roboterunterstützte Prozessautomatisierung (bereits in der Umsetzung), Ausbau des „Emerging-Tech-Teams“, das technische Innovationen und deren Nutzen sowie Integrierbarkeit prüft, wie beispielsweise künstliche Intelligenz und Blockchain. Dass die sogenannten Emerging Technologies für uns hohe Relevanz haben, sehen Sie an unseren Taten: Zum Jahresbeginn haben wir den Frankfurter IT-Dienstleister labs von Lupus alpha Asset Management übernommen, um unsere Wertschöpfungskette zu erweitern. Im Frühjahr konnten wir für die neu geschaffene Position des Head of Digital Transformation Christian Reitz gewinnen, der zuvor bei Union Investment eine ähnliche Rolle innehatte. Im Frühsommer kam Daniel Andemeskel als Head of Innovation Management an Bord.

Um unsere Marktführerschaft auszubauen, haben wir unsere Investitionen in die Digitalisierung des Fondsgeschäfts um 15 Prozent erhöht.

Michael Reinhard

universal spotlight: Sie haben eben davon gesprochen, dass labs die Wertschöpfungskette erweitert. Erzählen Sie mehr über labs.

Reinhard: UI labs bleibt als eigenständiges Software-Unternehmen weiter am Markt für andere Anbieter der Finanzindustrie tätig. Gleichzeitig können wir das Produktangebot für unsere Kunden sinnvoll erweitern. Zum Kerngeschäft von UI labs gehören Front-Office-Lösungen auf Basis von SimCorp Dimension. Was viele noch nicht wissen: labs ist deutscher Marktführer für Steuer-Reporting im Fondsbereich, mit der Lösung labs Star.

universal spotlight: Wie ist das Geschäft gelaufen?

Reinhard: Seit 2009 hat die Universal-Investment-Gruppe mit einem Anteil von 22 Prozent die höchsten Nettomittelzuflüsse der Branche erzielt. Aktuell sind wir laut BVI-Statistik (Stand: 30.06.2019) die drittgrößte deutsche Investmentgesellschaft, gemessen am administrierten Vermögen über alle Asset-Klassen und Fondsarten hinweg. Unser Geschäftsjahr 2017 / 2018  haben wir mit einem Rekordergebnis abgeschlossen, und auch mit den Ergebnissen im vergangenen Geschäftsjahr sind wir trotz der Schwankungen an den Märkten im vierten Quartal 2018 zufrieden.

universal spotlight: Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Auch das internationale Geschäft wollen wir stärker ausbauen.

Michael Reinhard

Reinhard: Bis 2023 soll Universal-Investment zur führenden europäischen Fonds-Service-Plattform für alle Asset-Klassen werden – mit einem administrierten Vermögen von mehr als 500 Milliarden Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir, wie bereits erwähnt, in die Digitalisierung investieren sowie organisch und anorganisch – also auch durch Zukäufe – wachsen. Auch das internationale Geschäft wollen wir stärker ausbauen. Bis 2023 sollen 25 Prozent unserer Kunden aus dem Ausland kommen. Institutionelle Anleger und Fondsinitiatoren aus Deutschland bleiben aber unsere wichtigsten Kundengruppen.

universal spotlight: Welche Märkte sind für Universal-Investment besonders interessant?

Reinhard: Wir überlegen, eine Plattform in Irland und ein Vertriebsbüro in London aufzubauen. Büros in Asien sind auch denkbar. Universal-Investment hat, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit vielen ausländischen Fondspartnern, zudem viele Anknüpfungspunkte in Skandinavien und in der Schweiz. Frankfurt am Main, Luxemburg und Krakau bleiben unsere Produktionsstandorte. Luxemburg bauen wir zukünftig als internationalen Standort weiter aus.

universal spotlight: Herr Reinhard, und noch eine Frage zum Schluss: Sie haben 10 Jahre in Paris gelebt und international gearbeitet. Was hat Sie daran gereizt, an den Main zu einer mittelständischen Plattform zurückzukehren?

Reinhard: Paris ist definitiv eine tolle Stadt – die Story sowie das Potenzial von Universal-Investment waren und sind einfach zu spannend. 

Autor: Michael Reinhard, Chief Executive Officer, Universal-Investment
Erscheinungsdatum: 30.10.2019