Auch bei volatilen Kapitalmärkten mit dem Portfolio auf Spur bleiben und Renditechancen nutzen. Foto: Roberto Moiola / Sysaworld Quelle: Getty images

Intelligente Overlay-Ansätze: Mehr Chancen und weniger Risiken für die Strategische Asset-Allokation (SAA)

Autor: Ralph Karels

Sicheres Navigieren im unberechenbaren Kapitalmarkt mittels zuschaltbarem Fahrerassistenz-System: Wie Overlay Management von institutionellen Investoren intelligent genutzt werden kann, um auch bei volatilen Kapitalmärkten mit dem Portfolio auf Spur zu bleiben und Renditechancen zu nutzen.

Ralph Karels, Senior Manager Produktmanagement Portfoliomanagement, Universal-Investment-Luxembourg S.A. Niederlassung Frankfurt am Main

Die letzte große Krise an den Finanzmärkten jährt sich 2019 bereits zum zehnten Mal, und mit dem nicht enden wollenden Brexit-Drama, schwelenden Handelskonflikten sowie geopolitischen Spannungen sind die Vorzeichen für die Märkte dieses Jahr schwierig zu deuten – zumal es in der Geschichte bisher nur einmal eine Aufschwungphase gab, die mehr als neun Jahre andauerte. Auch das sich stetig weiter verengende regulatorische Korsett zwingt Investoren dazu, ihre Strategische Asset-Allokation (SAA) entsprechend (neu) aufzustellen.

Angesichts dieser Aussichten und generell eingeschränkter Risikobudgets ist die Reaktionsweise der Investoren sehr unterschiedlich: Manche Investoren allokieren ihr Portfolio mit Tritt aufs Gaspedal und damit stark ertragsorientiert, sind aber mit Blick auf die Risikotragfähigkeit im roten Drehzahlbereich. Andere wiederum allokieren sehr risikoavers und steuern somit ihre Strategische Asset-Allokation mit angezogener Handbremse. Diese Vorgehensweise ist zwar weniger riskant, doch die benötigten Erträge können damit kaum erwirtschaftet werden. Die Quadratur des Kreises? Beide Allokationsstile können im Hinblick auf ihr Risiko-Ertrags-Profil durch intelligentes Overlay Management optimiert werden – eventuell ergänzend durch Signale der Taktischen Asset-Allokation (TAA).

Der jeweilige Zugewinn an risikoadjustierter Performance übersteigt dabei im Idealfall die überschaubaren fixen Opportunitätskosten. Selbst renditeorientierte Allokationen können in turbulenten Marktphasen mit Overlay Management aufrechterhalten werden, da der maximale Verlust mit einer vorab definierten Wahrscheinlichkeit auf das Risikobudget des Investors beschränkt ist. Das bedeutet: Mehr Flexibilität bei der Planung der Kapitalanlage ohne die Partizipation an attraktiven Aufwärtsbewegungen des Marktes zu sehr einzuschränken.

Geringere Volatilität bei ähnlicher Rendite –
Auf Spur bleiben mit Overlay Management

Der häufigste Fall im aktuellen Kapitalmarktumfeld: Der Investor geht gemessen an seiner Verlusttoleranz zu viele Risiken ein. Simuliert wird die Renditeverteilung einer repräsentativen SAA bestehend aus 40 Prozent Renten, 35 Prozent Aktien und 25 Prozent sonstigen Anlagen (etwa Immobilien) mit und ohne Overlay, jeweils mit einem angenommenen Risikobudget von sechs Prozent. Bei der Simulation ohne Overlay Management ist die Wahrscheinlichkeit stark erhöht, mit der Rendite der SAA mehr als sechs Prozent zu verlieren, illustriert durch den signifikanten Gewichtsanteil der Verteilung links der gestrichelten Linie. Die Simulation mit Overlay Management zeigt, dass dieser Fall extrem selten ist – siehe Gewichtsanteil der Verteilung ebenfalls links der gestrichelten Linie.

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Quelle: Universal-Investment

In Kennzahlen ausgedrückt:

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Während die Rendite der SAA mit Overlay in der Simulation mit 2,95 Prozent nur geringfügige und verkraftbare Einbußen von 0,13 Prozent verzeichnet, konnte die Volatilität gleichzeitig um mehr als ein Prozent auf 4,74 Prozent gesenkt werden. Entscheidend ist jedoch: Das Risiko extremer nachteiliger Ereignisse (VaR bzw. Expected Shortfall) sinkt mit Overlay um über die Hälfte: Der Value at Risk (VaR) der SAA ohne Overlay liegt mit 13,55 Prozent mehr als doppelt so hoch im Vergleich zur SAA mit Overlay mit 6,1 Prozent.

Auch die Kennzahl für das Überschreiten des VaR – Expected Shortfall – verdeutlicht die Wirkung des Overlay Managements. Während die SAA ohne Overlay Management im schlimmsten aller Fälle im Schnitt 18 Prozent verliert, sind es mit Overlay mit 7,4 Prozent nur geringfügig mehr als der VaR.

Chancenorientiertere Allokation bei gleichbleibender Risikotragfähigkeit –
Auf Spur bleiben mit Overlay Management

Ist die SAA eines Investors gemessen an seiner Risikotragfähigkeit zu defensiv aufgestellt, kann eine transparente und regelgebundene Overlay-Strategie helfen, das vorhandene Risikobudget besser zu bewirtschaften. Taktische Allokationssignale (TAA-Signale) für Aktien und Renten können genutzt werden, um den Investitionsgrad zu erhöhen und zusätzliches Markt-Exposure aufzubauen. Bei Verwendung von modularen Risikobudgets kann das Markt-Exposure so in einzelnen Asset-Klassen auf- beziehungsweise abgebaut und mit Hilfe von TAA-Signalen bei entsprechender Einschätzung zudem gehebelt oder „Short“ gegangen werden. Eine diesbezügliche Signalqualität vorausgesetzt, kann mit Overlay Management eine Outperformance gegenüber der SAA erzielt werden.

Auch Investoren, deren SAA in Bezug auf das vorhandene Risikobudget ausgewogen aufgestellt ist, können von einem Overlay profitieren, um in Echtzeit mit qualitativ hochwertigen Aussagen zur Risikoauslastung der SAA versorgt zu werden. Zudem soll durch einen virtuellen „Notfallknopf“ existenzielle Drawdowns der SAA verhindert werden.

Die beiden Fälle (zu offensive oder zu defensive SAA) sehen im Rendite-Risiko-Diagramm wie folgt aus:

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Quelle: Universal-Investment

Die SAA inklusive Overlay-Strategie (dunkler Punkt) stellt in beiden Fällen die attraktivere und tragfähigere Alternative dar.

Kapitalmarktturbulenzen –
Auf Spur bleiben mit Overlay Management.

Die Einsatzmöglichkeiten von Overlays sind mannigfaltig: Die Strategien wirken sowohl bei Aktienmarktkorrekturen als auch bei einem sich ändernden Zinsumfeld. Auch schwierig in den Griff zu bekommende V-Korrekturen einzelner Märkte können mit einem modular aufgestellten Overlay Management und Risikobudgetsponsoring besser gehandhabt werden. Overlays helfen aber nicht nur in schwierigen Marktphasen, sondern können auch ein probates Instrument sein, um aufgelaufene Erträge sowie die dauerhafte Optimierung des Risiko-Ertrags-Profils durch effiziente Risikobudgetauslastung zu sichern.

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Kernaspekte eines individuell angepassten Overlay Managements

Einige optionale Eigenschaften von Overlay-Ansätzen können Investoren dabei entscheidende Vorteile bieten, es lohnt sich also, darauf zu achten:

1. Modularität: Das Risikobudget wird auf die Faktoren Zins, Spread, Aktien und Währung verteilt. Jedes Risiko wird separat gesteuert. So bleiben Performance-Chancen von sich positiv entwickelnden Marktsegmenten erhalten, die Gefahr einer Vollsicherung sinkt. Gesichert wird nur dort, wo es nötig ist.

2. Signale: Wenn TAA-Signale eine negative Einschätzung für ein bestimmtes Kapitalmarktsegment liefern, wird dort Risikobudget entzogen. Dies steht dann für andere Marktsegmente mit positiver Prognose zur Verfügung. Durch den Risikobudget-Transfer können antizyklisch Sicherungsmaßnahmen aufgelöst werden. Die Prozyklik – Absicherung nach fallenden Kursen, Wiedereinstieg nach steigenden Kursen – verringert sich.

3. Overlay in Kombination mit einem Masterfonds: Bei Bereitstellung eines Overlay-Segments im Masterfonds werden die einzelnen Asset Manager kaum tangiert und können sich uneingeschränkt ihrem Auftrag widmen, Alpha zu generieren.

Mehrwert versus Opportunitätskosten

Rechnet es sich, Overlay Management als strategisches Instrument zu implementieren, um Risikotragfähigkeit und Ertragsziele zu koordinieren? Oder sind die Opportunitätskosten doch zu hoch? Belegbar ist: Der Zugewinn an risikoadjustierter Rendite, die ein entscheidendes Kriterium für viele Investoren ist, übertrifft im Allgemeinen deutlich die überschaubaren Opportunitätskosten eines Overlays. Die effiziente Steuerung des Risikobudgets, die Sicherung von Ertragszielen und die Verringerung des Risikos von Vollsicherungen durch Modularität und Risikobudget-Transfer schaffen einen Mehrwert. Somit sind intelligente Overlay-Ansätze ein sinnvolles strategisches Instrument für institutionelle Investoren. 

Dieser Artikel ist bereits im BAI-Newsletter III/2019 erschienen.

Mehr Informationen zum Thema Overlay Management bei Universal-Investment erhalten Sie hier

Autor: Ralph Karels
Erscheinungsdatum: 27.06.2019

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