Wissen über die Investitionen und möglichst flexible Strukturen gewinnen an Bedeutung gewinnen, um, wo notwendig, reagieren zu können. Foto: DaiPhoto Quelle: iStock

Private Equity: Interessante Asset-Klasse mit besonderen Ansprüchen – auch in der Krise

Autor: Dr. Sofia Harrschar

Auswertungen des Investorenverhaltens von Universal-Investment bestätigen den Trend: Alternative Investments werden immer beliebter und innerhalb der Asset-Klasse auch Private-Equity-Anlagen. Diese bieten viele Vorteile, die Zugänge sind mittlerweile vielfältig. Doch stellen sie größere Herausforderungen an Investoren als die traditionellen Asset-Klassen – regulatorisch, steuerlich und administrativ. Die Auswirkungen der aktuellen Krise sind noch nicht erkennbar.

Dr. Sofia Harrschar, Member of the Board, Executive Director, Head of Alternative Investments, Universal-Investment Foto: Axel Habermehl Quelle: Universal-Investment

Die Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Anlage in Alternative Investments wird man vollständig wohl erst in ein paar Jahren erkennen können. Aufgrund der massiven Umwälzungen in der globalen Wirtschaft und der Sorge vor einem weltweiten Rückgang der Wirtschaftskraft ist es wahrscheinlich, dass auch Investitionen in Private Equity davon betroffen sind. Für eine Aussage, welche Auswirkungen es geben wird und insbesondere welche Segmente betroffen sein werden, ist es noch zu früh. In einer Krise wird jedoch die Erkenntnis deutlich, dass Wissen über die Investitionen und möglichst flexible Strukturen an Bedeutung gewinnen, um, wo notwendig, reagieren zu können.


Institutionelle Investoren mit langlaufenden Verbindlichkeiten, die nach Langfristanlagen mit stabilen Cashflows und relativ geringem Risiko suchen, haben es weiterhin nicht leicht: Die Renditen von Anleihen sind weiter extrem niedrig oder negativ. Im Zuge der Auswirkungen der Corona-Krise boten sich zwar unter Umständen kurzzeitige Chancen, eine nachhaltige Trendwende ist aber nicht zu erwarten. Aktien präsentieren sich zeitweise sehr volatil. Angesichts dieser Gesamtsituation bleibt eine Ergänzung der Diversifikation von Portfolios durch Alternative Investments von Bedeutung. Private Equity (PE) ist für viele Investoren der erste Schritt in diesen weiter wachsenden Markt.


Laut einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungshauses PwC, das regelmäßig den Private-Equity-Markt untersucht, fanden 2019 in Europa insgesamt 2.515 Unternehmenskäufe und -verkäufe mit PE-Beteiligung statt.

Dies waren 16 % mehr als 2018. Das Transaktionsvolumen lag bei 260 Mrd. Euro – fast genauso viel wie im Rekordjahr 2018 (262,1 Mrd. Euro). Quelle: Private Equity Trend Report 2020

Es zeigt sich, Private-Equity-Anlagen können klare Vorteile für Investoren aufweisen. Sie können auf lange Sicht vergleichsweise attraktive und stabile Renditen bei überschaubarem Risiko bieten. Außerdem sind die Korrelationen zu anderen Asset-Klassen häufig niedrig. Aufgrund dieser Eigenschaften können sie eine gute Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen sein. Dabei ist Private Equity nicht gleich Private Equity: Der Bereich bietet eine hohe Diversität, etwa in Bezug auf Branchen, Haltedauer und regionale Ausrichtung – ein zusätzlicher Pluspunkt in Sachen Diversifizierung.

Dem gegenüber steht allerdings, dass sich Private-Equity-Anlagen in der Regel vergleichsweise komplex gestalten, Kapital über längere Zeit binden und illiquider als die traditionellen Asset-Klassen Aktien und Anleihen sind. Überdies sind Performance- und Risikomessungen schwieriger. Für Investoren, die sich dessen bewusst sind und die den wesentlichen Herausforderungen durch intelligente Strukturierung begegnen, kann Private Equity aber Stabilität ins Portfolio bringen.

Aktuelle Zahlen von Universal-Investment: Bestand an Alternative Investments innerhalb von zehn Jahren verzehnfacht

Universal-Investment analysiert regelmäßig im Rahmen ihrer 360° Analyse, wie institutionelle Investoren ihre Gelder anlegen. Die aktuelle Auswertung erfasst dabei alle Anlagen in deutschen Spezialfonds bei Universal-Investment per 29. Februar 2020 (siehe Grafik 360° Analyse – Performance deutscher Spezialfonds im Bestand von Universal-Investment). Das Gesamtvolumen der analysierten Assets under Administration betrug dabei rund 348 Mrd. Euro. Das entspricht etwa 18 % des gesamten vom BVI erfassten Spezialfondsvermögens in Höhe von 1.875 Mrd. Euro (31. Dezember 2019) – ein durchaus repräsentativer Blick auf die Strategien institutioneller Investoren in Deutschland.

Die Zahlen von Universal-Investment zeigen, dass sich der Markt für Alternative Investments im Allgemeinen und für Private Equity im Besonderen in den vergangenen Jahren rasant entwickelt hat. In den deutschen Spezialfonds der Universal-Investment sind derzeit etwas mehr als 9 % in Beteiligungen investiert, verglichen mit weniger als 2 % im Jahr 2015. Diese Entwicklung zeigt sich umso deutlicher im Wachstum allein der auf Alternative Investments spezialisierten Strukturen. Dies umfasst alle bei der Universal-Investment in Deutschland oder Luxembourg aufgelegten Vehikel, die ausschließlich in Alternative Investments investieren. Hier hat sich das Volumen seit den ersten Auflagen vor mehr als zehn Jahren mehr als verzehnfacht auf mittlerweile über 45 Mrd. Euro.

Gleichzeitig zeichnen sich klare Trends ab: Die Vielzahl an Strukturen ist heute groß. Bei Universal-Investment dominieren, gemessen am Inventarwert, Private-Equity-Strukturen mit 62 %, gefolgt von Private-Debt-Strukturen mit 20 %. Weitere Asset-Klassen sind Hedgefonds (11 %) und Verbriefungen. Dabei ist das Volumen der in Private-Equity-Strukturen investierten Gelder rasant gestiegen: So lag es zum Beispiel 2014 noch bei 4,5 Mrd. Euro, 2016 bereits bei 12,3 Mrd. Euro und Ende 2019 schließlich bei 28 Mrd. Euro.

Von den Anlagen in Eigenkapitalinstrumenten auf der Universal-Investment-Plattform waren wiederum 47 % der Strukturen Private-Equity-Investments – damit ist der Anteil gegenüber 2018 (45 %) nochmals gestiegen.

Auch die Performance kann überzeugen

Als Teil der 360° Studie von Universal-Investment wird auch die Performance der verschiedenen Anlageklassen analysiert. Die Analyse bezieht sich auf die Anlagen in den deutschen Spezialfonds und ist damit nicht komplett deckungsgleich mit den Spezialstrukturen für Alternative Investments. Es zeigt sich, dass die Performance von Private Equity insbesondere im Vergleich überzeugt: Im gesamten analysierten Zeitraum weist Private Equity annualisiert zweistellige Performancewerte auf.

In diesen Zeiträumen wiesen sie damit regelmäßig deutlich höhere Renditen auf als klassische Anlagen wie Renten oder Aktien. Private-Equity-Fonds konnten damit rückblickend ihre Funktion als wichtige kurz-, mittel- und langfristige Renditetreiber erfüllen.

Trends bei der Investition in Private Equity

Seit der Finanzkrise fragen Investoren zunehmend Anlagen in Infrastruktur nach, neben klassischer Transportinfrastruktur wie Mautstraßen und -brücken auch Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien sowie Verwaltungsinfrastruktur. Daneben werden auch klassische Private-Equity-Investitionen in Unternehmen stärker nachgefragt.

Bei der Frage, wie Investoren Zugang zu Private Equity suchen, setzt sich der Trend zur Trennung von Anlageberatung und Administration fort. Investoren wünschen sich einen unmittelbareren Zugang zum Asset und investieren daher seltener in Dachfonds von Asset-Managern, sondern präferieren die Auflage eigener Dachfonds oder Co-Investmentfonds. Die Anlageberatung wird durch einen entsprechend qualifizierten Anlageberater übernommen, der an eine vom Investor ausgewählte Plattform angebunden wird.

Keine Anlagestruktur passt für jeden Investor

Direkt oder indirekt, über Dachfonds oder Zweckgesellschaften: Die Strukturen, die einen Zugang zu Private Equity ermöglichen, unterscheiden sich deutlich. Es gibt keine Anlagestruktur, die für jeden passt. Wichtige Einflussgrößen sind etwa das jeweils gültige Investment-, Steuer- und Aufsichtsrecht, die Erfahrung des Investors mit Private Equity und die geplante Investitionssumme. Das Risikoprofil des Investors spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle: Aufgrund der niedrigeren Liquidität von Private-Equity-Anlagen müssen die möglichen Konsequenzen der Investition und Auswirkungen eines eventuellen Ausfalls des Investments auf die Bilanz des Investors analysiert werden. Zu klären ist gegebenenfalls auch, ob die Kapitalanlagen den Solvency-II-Regeln bzw. der Anlageverordnung unterliegen oder ob lediglich interne Regelwerke zu beachten sind.

Was die Domizilierung der Strukturen angeht, ist für deutsche institutionelle Investoren, die in Private Equity investieren,Luxemburg meist weiter die erste Wahl. Eine mögliche Grundstruktur ist die luxembourgische SICAV-SIF/RAIF in der Rechtsform einer SCS (Société en Commandite Simple) oder SA (Société Anonyme). Oft wünschen sich deutsche institutionelle Investoren aber auch deutsche Strukturen, etwa Spezialfonds nach deutschem Recht, hier gibt es ebenfalls verschiedene Möglichkeiten.

Zu den Kernaufgaben- gebieten eines solchen Partners gehören:

  • die Begleitung institutioneller Investoren bei der individuellen Konstruktion und Strukturierung von komplexen Kapitalanlagen, besonders im Bereich der Alternative Investments, wie Private Equity
  • die Bereitstellung von AIFM-Services mit wahlweise unterschiedlicher Domizilierung
  • die Abdeckung eines breiten Spektrums an Zielinvestments und Anlagestrukturen – vom Aufsatz über die Administration bis zum Reporting. Ein „One-Stop-Shop“ bietet angesichts der Komplexität der Anforderungen echte Vorteile für institutionelle Investoren: Sie bekommen bei Bedarf alles aus einer Hand.

Zusammenarbeit mit erfahrenem Strukturierungspartner

Alternative Investments und gerade Private-Equity-Investments sind komplexe Anlagen – im Aufbau und in der Administration. Für interessierte Investoren bietet es sich daher an, mit einem erfahrenen Strukturierungspartner und Anbieter zusammenzuarbeiten. So haben sie Zugriff auf die erforderliche Expertise, eine individuell passende Lösung auszuarbeiten, die im Normalbetrieb auch funktioniert.

Der Austausch zwischen Investor und AIFM über den gesamten Lebenszyklus der Private-Equity-Anlage und laufende Feedback-Prozesse ermöglichen dabei die individuelle und flexible Anpassung an die Anforderungen. Dies ist etwa bei der konkreten Ausgestaltung der Anlagestrategie, der Höhe und Variabilität des Kapitals, der Wahl zwischen einer individuell abgestimmten Commitment-Struktur oder festen Einzahlungen, dem Ausschüttungsprofil, der Einbringung bestehender Beteiligungen und anderen Faktoren vorteilhaft.

Investoren sollen Wert darauflegen, dass ihr Partner für Strukturierung und AIFM-Services bei ihren Private-Equity-Investments offen ist für die unterschiedlichsten Schnittstellen. So sollte er zum Beispiel mit Rechts- und Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern nahtlos zusammenarbeiten, die der Investor bereits in seinem Team hat. 

Dieser Artikel ist bereits im BAI-Newsletter II/2020  erschienen.

Autor: Dr. Sofia Harrschar
Erscheinungsdatum: 07.05.2020