Dennis Kaiser, Co-Leiter des Private-Equity-Teams bei Flossbach von Storch Foto: Frank Blümler Quelle: Universal-Investment

„Optimales Timing bei Private Equity Fund Investments? Besser kontinuierlich investieren und dabeibleiben.“

Autor: Dennis Kaiser, Flossbach von Storch

Hoch, runter, seitwärts – wie auch immer sich die Börsenkurse entwickeln, ist für Private Equity weitgehend irrelevant, weiß Dennis Kaiser von Flossbach von Storch. Der Co-Leiter des Private-Equity-Teams erklärt im Interview, warum er die Anlageklasse für attraktiv und den Fokus des Tectum Private Equity Fonds auf kleinere und mittelgroße Unternehmen für besonders vielversprechend hält. Zudem gibt Kaiser einen strategischen Einblick hinter die Kulissen von Flossbach von Storch.

universal spotlight: Wie kam es zur Entscheidung von Flossbach von Storch, einen vierten Tectum Private Equity Fonds aufzulegen?

Dennis Kaiser: Die drei Vorgängerfonds Tectum Private Equity I bis III (jeweils geschlossene Fonds mit begrenztem Volumen) haben sich sehr gut entwickelt. Außerdem wurde die Investmentphase des letzten Fonds im vierten Quartal 2019 abgeschlossen. Wir sind weiter davon überzeugt, dass Private Equity eine attraktive Beimischung zu klassischen Anlagen darstellt. Das liegt zum einen an einer Diversifizierung jenseits des Börsengeschehens: Ob es an der Börse nach oben oder unten geht, ist für Private Equity weitgehend irrelevant. Mit dieser Asset-Klasse beteiligen sich institutionelle Anleger zum anderen indirekt an Unternehmen und setzen damit auf stabile Sachwerte. Für Investoren sind zudem die deutlich geringere Volatilität und der langfristige Anlagehorizont relevante Pluspunkte. Daher haben wir uns entschlossen, die Reihe fortzuführen.

Wie würden Sie die Ausrichtung Ihres Dachfonds beschreiben?

Wir setzen weiter auf die bewährte Strategie, in Private-Equity-Fonds, konkret in bis zu 20, und nicht direkt in Unternehmen zu investieren. Das ermöglicht ein wesentlich breiteres Portfolio. Außerdem diversifizieren wir über verschiedene Regionen mit Fonds, die in Europa und den USA aktiv sind. Schwerpunkt sind Buyout- und Wachstumsfinanzierungen, die 50 bis 70 Prozent des Portfolios ausmachen. Dazu kommen Venture-Capital-Fonds, die junge Unternehmen – etwa aus der Technologie und Gesundheitsbranche – kaufen, und Fonds, die auf Unternehmen in Sondersituationen spezialisiert sind. Dabei fokussieren wir uns fast ausschließlich auf kleinere Fonds, die sich auf Small und Mid Caps konzentrieren. Wir sind der Überzeugung, dass die erfolgreiche Umsetzung einer Small- und Mid-Cap-Strategie nur. ein begrenztes Dachfonds-Fondsvolumen erlaubt. Zielfonds in diesem Segment sind häufig nur 200–300 Mio. Euro groß. Gute Zielfondsmanager können sich zudem ihre Investoren aussuchen und möchten in der Regel eine diversifizierte Investorenbasis schaffen. Dies begrenzt das investierbare Volumen jedes einzelnen Investors.

Wir beobachten Fondsmanager und Fonds über mehrere Jahre, bevor wir uns entscheiden, in sie zu investieren.

Dennis Kaiser

Welche Faktoren sind für Flossbach von Storch bei der Selektion von Zielfonds und Fondsmanagern relevant?

Wir beobachten Fondsmanager und Fonds über mehrere Jahre, bevor wir uns entscheiden, in sie zu investieren. Das beginnt mit einem ersten Kennenlernen der Fondsmanager und -strategien und setzt sich fort in der Intensivierung der Gespräche und einer eingehenden Prüfung. Das Kapital ist langfristig gebunden, daher muss alles passen, inklusive der handelnden Personen und der Teamzusammensetzung. Als Voraussetzung gilt, dass die Fondsmanager selbst investiert und daher genügend motiviert sind, also „skin in the game“ haben. Außerdem muss das Makroumfeld stimmig zur Strategie sein, dafür arbeiten wir auch mit unseren Kollegen vom Flossbach von Storch Research Institute zusammen. Der Zielfonds muss gemäß unserer Strategie aktiv und operativ eingreifen, um Mehrwert im Unternehmen generieren zu können. Last but not least muss der Investmentprozess institutionalisiert sein, Entscheidungen werden also nicht aus dem Bauch heraus gefällt.

Was war Ihnen bei der Auswahl der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) für die Auflage Ihres aktuellen Private-Equity-Fonds wichtig?

Bei der Suche nach einer KVG haben wir einen strukturierten Prüfungsprozess durchlaufen. Wir wollten in jedem Fall mit einem großen, namhaften Dienstleister zusammenarbeiten, der aufgrund seiner Reputation am Markt möglichen Investoren die Sicherheit bietet, dass professionell gearbeitet wird. Dies gilt insbesondere in Bezug auf das Reporting, das in Deutschland durchaus komplex und für viele institutionelle Investoren ein wichtiges Argument bei der Entscheidung für oder gegen einen Private-Equity-Fonds ist. Nicht zuletzt haben wir intensiv Referenzen eingeholt – mit sehr positivem Feedback für Universal-Investment.

Wie ist die Anlageklasse Private Equity bislang durch die Krise gekommen?

Wir haben die Krise noch nicht hinter uns, daher lässt sich das noch nicht abschließend sagen. Die intensiven Gespräche mit den Fondsmanagern der Private-Equity-Fonds, in die wir investieren, stimmen uns aber optimistisch. Das liegt auch daran, dass die Kaufpreise im Small- und Mid-Cap-Bereich nur begrenzt mit Fremdkapital bestritten werden – anders als im Large-Cap-Bereich, in dem Banken schnell eine Kreditrückzahlung verlangen. Dass der Markt heiß gelaufen war und sich 2020 abkühlte, gilt ohnehin eher für das Large-Cap-Segment. Vorteilhafterweise wirken unsere Zielfonds operativ in Unternehmen mit und diese können von der Erfahrung der Fondsmanager profitieren. Für den vierten Fonds haben wir nun die schöne Ausgangssituation, dass wir bereits in Zielfonds investiert sind, diese aber selbst noch keine Portfolios aufgebaut haben. So können wir in einigen Bereichen von niedrigeren Bewertungen profitieren. Ich muss aber auch klar sagen: Optimales Timing ist aufgrund des langjährigen Anlagehorizontes im Private-Equity-Fund-Investment-Bereich kaum möglich. Wenn Investoren also Interesse an Private Equity haben, dann sollten sie kontinuierlich investieren und dabeibleiben. 

Autor: Dennis Kaiser, Flossbach von Storch
Erscheinungsdatum: 04.03.2021