Elektrisch betriebene Kipplaster des Bergbauproduzenten Boliden, der auf eineFahrzeugflotte mit Elektroantrieb setzt. Quelle: Boliden Group

Rohstoffe für eine grüne Zukunft

Autor: Claudia Lindenberg, Das Investment

Nachhaltigkeit und Rohstoffaktien – wie das zusammenpasst, zeigt der kürzlich aufgelegte Earth Sustainable Resources Fund von Universal-Investment.

Pereshia Berlenbach, COO, Earth Resource Investment Group Quelle: Earth Resource Investment Group

Der promovierte Geologe Joachim Berlenbach und die 2006 von ihm gegründete Anlageberatung Earth Resource Investment Group (ERIG) stehen seit Jahren für eine besondere Expertise im Bereich Rohstoffaktienbewertung. Bislang konnten Anleger über den Earth Exploration Fund UI in diesen Sektor investieren, 2008 kam der Earth Gold Fund UI hinzu.

Mit dem kürzlich aufgelegten Earth Sustainable Resources Fund hat das Unternehmen nun eine Produktlösung entwickelt, mit der Anleger gezielt auf Rohstoffaktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen setzen können. Doch lassen sich Nachhaltigkeit und Bergbau überhaupt unter einen Hut bringen? Pereshia Berlenbach sieht darin keinen Widerspruch. Im Gegenteil: „Ohne eine deutliche Steigerung der Förderung von Metallen durch Minenbetreiber ist eine nachhaltige Zukunft gar nicht möglich. So wird beispielsweise Kupfer benötigt, um Windkraftanlagen und Elektroautos herzustellen“, erläutert die Leiterin des operativen Geschäfts, deren preisgekrönte MBA-Abschlussarbeit als Grundlage für die Anlagestrategie dient.

Wir wollen die Möglichkeiten wahrnehmen, als Investoren auf die Unternehmen einzuwirken und sie zu einem Umdenken zu bewegen.

Pereshia Berlenbach

Grundsätzlich kommen für den Fonds daher nur nachhaltig agierende Rohstoffunternehmen infrage, die für eine nachhaltige Zukunft benötigte Metalle abbauen. Auch Engagements in Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien sind möglich. Dabei werden nicht nur die drei klassischen ESG-Bereiche Environment, Social und Governance, sondern auch der Faktor Economic berücksichtigt – weshalb die Fondsberater das Kürzel EESG für die
Bezeichnung der Nachhaltigkeitskriterien verwenden.

Dieser Nachhaltigkeitsfilter wurde für den Fonds in den für die ERIG typischen Anlageansatz für Rohstofffirmen integriert, den Ehemann Joachim gemeinsam mit Georges Lequime auch bei den Schwesterfonds umsetzt. Kennzeichnend für die Strategie ist neben einer fundamentalen Bottom-up-gesteuerten Analyse unter anderem, dass das Team nicht nur auf Unternehmensberichte vertraut, sondern sich auch vor Ort ein Bild von ausgewählten
Minen macht. Im Rahmen dieser Analyse trifft das Team eine Vorauswahl, im nächsten Schritt werden die herausgefilterten Unternehmen anhand des Nachhaltigkeitskonzepts durchleuchtet und auf Basis eines detaillierten Fragebogens bewertet. Danach wird für jedes Unternehmen schließlich ein Score ermittelt, der maximal bei fünf Punkten liegt. Die EESG-Kriterien fließen dabei gleich gewichtet in die Bewertung ein. Dieses Ergebnis wird mit den Analysen von Sustainalytics abgeglichen und auf Unstimmigkeiten überprüft. Auch sogenannte Fatal Flaws wie etwa Kinderarbeit werden bei der Beurteilung der Unternehmen berücksichtigt. „Erreicht ein Unternehmen die volle Punktzahl und finden wir einen solchen besonders kritischen Punkt, kommt es für uns nicht mehr infrage“, betont Pereshia Berlenbach. Das viel diskutierte Thema C02-Ausstoß spielt ebenfalls eine Rolle, allerdings können Unternehmen, die bei diesem oder einem anderen EESG-Aspekt schlecht abschneiden, dies durch Stärken in anderen Bereichen ausgleichen. Das Erreichen der vollen Punktzahl ist also keine zwingende Voraussetzung.

Als Beispiel nennt Joachim Berlenbach den schwedischen Kupfer-, Zink- und Silberproduzenten Boliden: „Für dieses Unternehmen haben wir einen Score von 4,45 ermittelt – ein sehr guter Wert. Boliden konnte zwar nicht so umfassende Angaben zur gesamten Lieferkette liefern wie erforderlich, überzeugte aber besonders im Bereich Corporate Governance mit sehr hoher Transparenz.“

Bei den finalen Entscheidungen für die Anlageempfehlungen berücksichtigt das Team zudem auch makroökonomische Aspekte. Vom Wert der empfohlenen Aktien ist das Team generell nur überzeugt, solange die intern vom Team definierte Bewertung noch nicht erreicht ist. „Steigen die Aktienpreise über die von uns kalkulierten Zielpreise, sind Investitionen unserer Einschätzung nach nicht mehr fundamental gerechtfertigt“, begründet Joachim Berlenbach diese Vorgehensweise.

Das von seiner Frau entwickelte Modell nutzt das Team auch, um die analysierten Unternehmen auf mögliche Schwachpunkte im Bereich EESG hinzuweisen. „Wir wollen die Möglichkeiten wahrnehmen, als Investoren auf die Unternehmen einzuwirken und sie zu einem Umdenken zu bewegen“, betont die Initiatorin des Fonds. 

Autor: Claudia Lindenberg, Das Investment
Erscheinungsdatum: 11.02.2020

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