Dr. Carl Otto Schill, Geschäftsführer von Value Partnership Management Quelle: Value Partnership Management

Unternehmer investieren anders

Autor: Dr. Carl Otto Schill, Value Partnership Management

„Es gibt im Segment ,Growth at a reasonable price‘ (GARP) heute noch immer unentdeckte Perlen in den Nischen der Megatrends, die ein jahrelanges profitables Wachstum bei günstiger Bewertung versprechen“, sagt Dr. Carl Otto Schill, Geschäftsführer von Value Partnership Management. Seit 2015 verantwortet er mit Stephan Müller, ebenfalls Geschäftsführer, die Geschicke des Aktienfonds Value Partnership. Der Investmentansatz ihres Fonds stammt aus der Familienholding von Dr. Schill, der sich als erfolgreicher Unternehmer und Investor seit Jahrzehnten dem Value Investing verschrieben hat. Im Interview spricht er unter anderem darüber, welche Kriterien beim Investieren in Unternehmen zählen, und über sein Fazit nach fünf Jahren Fondsberatung.

ChampionsNews: Herr Dr. Schill, Sie haben jahrzehntelang eine internationale Unternehmensgruppe geleitet und gleichzeitig in Private Equity und an der Börse investiert. Konnten Sie aus diesen unterschiedlichen Funktionen einen Mehrwert generieren?

Dr. Schill: Von Warren Buffett stammt das Zitat: „Investor zu sein, hat mich zu einem bessern Unternehmer gemacht, und Unternehmer zu sein, hat mich zu einem besseren Investor gemacht.“ Ich glaube schon, dass die Verknüpfung dieser beiden Welten Synergien freisetzt, die sowohl die operative Leitung eines Unternehmens als auch das Investment in andere Unternehmen verbessert, sei es im Private-Equity-Bereich oder am Aktienmarkt.

Sie beraten den Aktienfonds Value Partnership (ISIN DE000A14UV37 (AK P) / DE000A14UV29 (AK I) ). Was sind Ihre wichtigsten Kriterien beim Investieren in andere Unternehmen?

Für uns steht im Mittelpunkt der Analyse immer das Geschäftsmodell des Unternehmens. Unsere Investments müssen dabei langfristige Wettbewerbsvorteile aufweisen, wie zum Beispiel Netzwerkvorteile oder hohe Wechselkosten der Kunden, um profitabel zu wachsen. Wir verwenden hier seit Jahren ein Konzept der Columbia Business School, um eine bessere Verknüpfung von qualitativen Merkmalen, wie den Wettbewerbsvorteilen, und quantitativen Merkmalen, wie zum Beispiel den Ertragsmargen, zu erreichen. Auf der anderen Seite dürfen die Unternehmen aber auch nicht zu teuer sein. Um dies zu gewährleisten, nutzen wir das Konzept der Sicherheitsmarge, das erstmals durch Benjamin Graham, dem Begründer des Value Investing, vorgestellt wurde. Dabei errechnen wir den sogenannten inneren Wert des Unternehmens und stellen ihm die Börsenkapitalisierung gegenüber. Nur wenn der innere Wert mindestens 30 Prozent größer ist, hat das Unternehmen für uns eine ausreichende Sicherheitsmarge, um zu investieren.

Blicken wir noch einmal zurück: Hat sich aufgrund der Corona-Pandemie der Investitionsansatz des Value Partnership geändert, und wie hat sich die Krise auf die Performance ausgewirkt?

Auch im Fünf-Jahres-Zeitraum konnte der Fonds trotz volatiler Märkte einen jährlichen Wertzuwachs von über zehn Prozent nach Fondskosten verzeichnen.

Dr. Carl Otto Schill

Wie bereits zuvor ausgeführt, haben wir über viele Jahren ein ausgereiftes Investmentkonzept entwickelt, dass sich schon in verschiedenen Marktlagen bewährt hat. Deshalb bestand während des Corona-Crashs im letzten Frühjahr auch kein Grund, unseren Investmentansatz zu verändern. Im Gegenteil konnten sich unsere Beteiligungen sehr gut behaupten. Das liegt an den robusten und zukunftsorientierten Geschäftsmodellen der Unternehmen. Insgesamt konnte deshalb der Value Partnership im Jahr 2020 ein Plus von fast 30 Prozent erzielen. Auch im Fünf-Jahres-Zeitraum konnte der Fonds trotz volatiler Märkte einen jährlichen Wertzuwachs von über zehn Prozent nach Fondskosten verzeichnen.

Die Börse ist in letzter Zeit schon gut gelaufen. Wo finden Sie noch Aktien, die Ihren Anforderungen entsprechen?

Seit vielen Jahren legen wir unseren Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen in Europa. Da ich selber aus dem Mittelstand komme, fühle ich mich auf diesem Terrain besonders heimisch. In Europa gibt es über 5.000 Titel und damit ein Vielfaches an Möglichkeiten im Vergleich zu Standardwerten. Viele dieser mittelständischen Unternehmen finden kaum Beachtung am Kapitalmarkt. Wir konzentrieren uns hier auf die GARP-Unternehmen (Growth at a reasonable price). Auch in diesem Segment gibt es heute noch immer unentdeckte Perlen in den Nischen der Megatrends, die ein jahrelanges profitables Wachstum bei günstiger Bewertung versprechen. Allerdings ist die Suche aufwendig und zeitintensiv. Wir profitieren dabei von unserer langjährigen Erfahrung, unserem Netzwerk und einem umfassenden Investmentprozess.

Sie sind jetzt über fünf Jahre Fondsadviser des Value Partnership. Wie lautet Ihr Fazit?

Was mich schon immer überrascht hat, ist die große Diskrepanz zwischen dem Kapitalmarkt und guten Unternehmen. Die kurzfristige Sichtweise vieler Investoren und die übertriebene Angst vor temporären Kursverlusten stehen dabei im Widerspruch zu dem erfolgreichen langfristigen Investment in Unternehmen. Deshalb gibt es auch gute Unternehmen, die den Gang an die Börse scheuen beziehungsweise sich enttäuscht von ihr abwenden. Auf der anderen Seite nutzen viele Investoren nicht die Möglichkeit, sich an interessanten Unternehmen zu beteiligen und damit eine langfristige Überrendite auf ihr eingesetztes Kapital zu erzielen. Wenn man selber dafür keine Zeit oder nicht die Expertise hat, gibt es gute Investmentfonds, die diese Aufgabe übernehmen. 

Autor: Dr. Carl Otto Schill, Value Partnership Management
Erscheinungsdatum: 12.05.2021