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Wachstumswelle bei Trades: Lösungen treffen ins Schwarze

Autor: Mathias Wilhelm und Jürgen Lemmen

Die zunehmende regulatorische Komplexität im Wertpapierhandel und die wachsende Anzahl von Trades fordern viele Fondsinitiatoren heraus. Universal-Investment reagierte vor vier Jahren auf gesetzliche Vorgaben und mit Gespür für neue Lösungen, indem sie das Middle Office als eigenständige Abteilung etablierte und die Aufgaben von der Fondsbuchhaltung abkoppelte. Die Entscheidung, die Abwicklung von Wertpapierorders und zunehmend auch Collateral Management in Eigenregie anzubieten, ist aufgegangen, wie Einblicke in das Middle Office und die Reaktionen von Kunden zeigen.

Jürgen Lemmen, Head of Middle Office, Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Vor zehn Jahren wurden weltweit Aktien im Wert von rund 66,6 Billionen US-Dollar* gehandelt – 2017 waren es schon knapp 77,6 Billionen US-Dollar – nur Aktien, keine Anleihen, Währungstitel oder Derivate wohlgemerkt. Fondsinitiatoren bekommen die zunehmende Komplexität im täglichen Wertpapierhandel und die wachsende Anzahl von Trades auch zu spüren. Diese Ausgangslage war Grund genug für den Münchener Fondsinitiator Vescore, sich vor vier Jahren an die damals noch junge Abteilung Middle Office von Universal-Investment zu wenden und deren Leistungen zu nutzen. „Das Middle Office nimmt uns alle Abwicklungsthemen vollkommen ab. So sparen wir Kosten und Zeit, mit dem Ergebnis, dass wir uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren können“, erklärt Stephan Schneider, Executive Director und Head of Portfoliomanagement bei Vescore.

*Quelle: Statistik Weltbank: „Stocks traded, total value (current US$)“

Jürgen Lemmen, Head of Middle Office von Universal-Investment, sieht die Abwicklung von Wertpapierorders nicht als das differenzierende Merkmal für Asset Manager beziehungsweise Fondsinitiatoren. Sie können daher solche Aufgaben schnell und unkompliziert an das Middle Office abgeben. Dadurch sparen Kunden komplexe IT-Systeme, Personalkapazitäten und müssen sich nicht mit regulatorischen Änderungen sowie Umsetzungen beschäftigen. Der Service lohnt sich vor allem auch für Gesellschaften mit wenig Handelsvolumen. „Wir können die Dienstleistungen für Asset Manager sogar dann erbringen, wenn wir nicht ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft sind“, so Lemmen.

Mathias Wilhelm, Head of Securities, Universal-Investment Foto: Manjit Jari Quelle: Universal-Investment

Das Middle Office übernimmt standardisiert das Matching für alle Wertpapierinstrumente inklusive Derivate.

Mathias Wilhelm

Doch die Abwicklung von Wertpapierorders ist nur eine Aufgabe des 2015 gegründeten Middle Office mit seinen mittlerweile 21 Mitarbeitern. Deren Tätigkeitsfeld umfasst das gesamte Abwicklungsgeschäft der zu betreuenden Fonds – von der Instruktion bis zum finalen Settlement. „Das Middle Office übernimmt standardisiert das Matching für alle Wertpapierinstrumente inklusive Derivate. Dagegen erfolgt die Abwicklung von illiquiden Anlagen, wie zum Beispiel Real Assets und Immobilien, über individuelle Prozesse bei uns im Haus“, erläutert Mathias Wilhelm, Executive Director, Head of Securities von Universal-Investment. Wilhelm und sein Team unterstützen das Middle-Office-Team bei der marktgerechten Gestaltung der Leistungen und integrieren diese in das Gesamtangebot der wertpapierbezogenen Produkte.

Kunden wandeln Fixkosten in variable Kosten um

Universal-Investment hatte sich 2015 dazu entschieden, das Middle Office aufgrund der zunehmenden Komplexität von der Fondsbuchhaltung abzukoppeln und als eigenständigen Service für Asset Manager beziehungsweise Fondsinitiatoren anzubieten.

Bestärkt wurde Universal-Investment durch aufsichtsrechtliche Vorgaben, wonach der Wertpapierhandel von der Abwicklung getrennt sein sollte. „Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Front, Middle und Back Office voneinander getrennt sind – damals war das bei weitem nicht so“, erinnert sich Lemmen. Zudem wollten die Administrationsspezialisten mit der ausgegliederten Abwicklung einen Mehrwert für Kunden bieten. Durch eine schnelle Anbindung, ohne großen Aufwand, können Kunden Fixkosten abbauen und in variable Kosten umwandeln. Sie zahlen nur für Trades, die von Universal-Investment abgewickelt werden.

Das Middle Office übernimmt das Processing von jährlich über 260.000 Transaktionen in allen Asset-Klassen – Wertpapiere, börsennotierte Derivate und außerbörslich gehandelte Derivate, sogenannte OTCs, für die 1.214 von Universal-Investment betreuten Fonds in Deutschland und Luxemburg.

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Das Middle Office von Universal-Investment in Zahlen Quelle: Universal-Investment

Hierzu kooperiert Universal-Investment mit 32 angebundenen Verwahrstellen. „Wir arbeiten mit allen renommierten Verwahrstellen in Deutschland und Luxemburg zusammen, über die wir Zugang zu allen weltweit relevanten lokalen Märkten haben“, erklärt Lemmen.

Hochautomatisiertes Transaktions- und Matching-System

Im zunehmend schnelleren Wertpapiergeschäft ist ein hoher Grad an Automatisierung, das sogenannte Straight Through Processing (STP), in der Abwicklung von Wertpapierorders besonders wichtig. Das Middle Office nutzt im Wertpapierbereich das Programm DTCC Omgeo, ein führendes Transaktions- und Matching-System. „Wir wickeln Wertpapierorders hochautomatisiert ab. Bei Asset Managern findet eine Hochautomatisierung in ihrem eigenen Middle Office meist nicht statt, weil sie aus Kostengründen solche Matching-Systeme nicht einsetzen. Für die Anzahl ihrer Trades lohnt sich der Einsatz nicht“, sagt der Abteilungsleiter.

Wir wickeln Wertpapierorders hochautomatisiert ab.

Jürgen Lemmen

Fax-Aufträge in der Transaktionsabwicklung von Asset Managern gibt es laut Lemmen vereinzelt nach wie vor. Manche hochregulierte Partner, wie Banken, senden noch Faxe, um mit Unterschriften auf der Papierrolle Rechtssicherheit zu gewährleisten. Um in Zukunft dieses Handling effektiver zu gestalten und um Kunden einen konkurrenzfähigen Service zu bieten, schreiten Automatisierung, Robotisierung und Optimierung von Schnittstellen bei Universal-Investment in großen Schritten voran.

Erfahrungswerte mit dem Middle Office

„Es ist uns gelungen, viele Fondsinitiatoren von den Leistungen des Middle Office zu überzeugen“, sagt Wilhelm. Als potenzielle Kunden der Abteilung kämen sowohl Fondsinitiatoren als auch andere Kapitalverwaltungsgesellschaften sowie institutionelle Anleger infrage. In der Vergangenheit habe sich herausgestellt, dass vor allem kleinere Häuser an der Abwicklung von Wertpapierorders durch Universal-Investment interessiert seien.

Marian Klemm beispielsweise, Portfoliomanager bei der Hamburger Fondsboutique nordIX, arbeitet seit zwei Jahren mit dem Middle Office zusammen. „Mit Betreuung, Response und Know-how der Fachexperten des Middle Office bin ich besonders zufrieden. Ich fühle mich mit meinen anspruchsvollen, derivatelastigen Mandaten sehr gut aufgehoben“, sagt der Portfoliomanager. Deshalb sei Universal-Investment bei dem Wechsel eines nordIX-Fonds auf eine andere Kapitalverwaltungsgesellschaft erste Wahl gewesen. Inzwischen sieht Klemm das Middle Office von Universal-Investment nicht mehr als bloßen Outsourcing-Partner. „Tatsächlich verstehe ich das Team als meine Kollegen, die ich auch menschlich sehr schätze“, ergänzt Klemm.

Collateral Management auf eigener Plattform

Für institutionelle Investoren ist das Collateral Management, das Universal-Investment seit Ende 2018 als eigenständiges Modul im Middle Office anbietet, von wachsendem Interesse. Ein Collateral Management (die Stellung von Sicherheiten) benötigen Fonds, wenn sie OTC-Derivate handeln; diese Leistung ist seit der Regulierung des außerbörslichen Handels im Rahmen der „European Market Infrastructure Regulation“, EMIR, von 2012 verpflichtend. Die jeweiligen Handelsparteien, Fonds und Kontrahenten, tauschen Sicherheiten aus. Das Middle Office regelt den Austausch dieser Sicherheiten, wie Cash oder Wertpapiere, und kümmert sich um sogenannte Disputes (Meinungsverschiedenheiten).

Mittlerweile hat Universal-Investment ihr eigenes Collateral-Management-System, an das etwa 100 Fonds angebunden sind und zu dem alle neuen Mandate hinzukommen. „Aufgrund unseres 360-Grad-Ansatzes macht es für unsere Kunden und uns Sinn, das Collateral Management in Eigenregie bei Universal-Investment anzubieten“,
so Lemmen. Institutionelle Kunden sehen die Situation ähnlich, bestätigt ein Sprecher von Volkswagen: „Die Umstellung verlief sowohl für uns als institutionellen Anleger als auch für unsere angebundenen Asset Manager geräuschlos. Vor allem die hohe Prozessqualität und natürlich auch Kostenargumente haben uns überzeugt, das Collateral Management in die Hände von Universal-Investment zu geben.“

Für Lemmen ist die sukzessive Überführung auf das eigene Collateral Management die richtige Entscheidung. Denn Universal-Investment gewährleistet den Kunden neben der höheren Qualität durch das eigene System und niedrigeren Kosten auch ein schnelleres On- und Off-Boarding. 

Autor: Mathias Wilhelm und Jürgen Lemmen
Erscheinungsdatum: 29.11.2019