Frankfurt am Main, 18. Dezember 2019

Vermögensverwalter empfehlen höhere Aktienquote für 2020

Unabhängige Vermögensverwalter empfehlen Anlegern, bei unverändert erwarteten Zinsen, auch 2020 von Gewinnen an Aktienmärkten sowie leicht steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren. Anleihen werden mit wenigen Ausnahmen dagegen als immer unattraktiver betrachtet. In der nunmehr achten jährlichen Umfrage von Universal-Investment trotzen die Investmentexperten optimistisch den Crash-Propheten und zeigen außerdem einen Konsens bei der weltweiten Streuung über verschiedene Anlageklassen.

Nach einem volatilen aber dank Jahresend-Rally sehr erfolgreichen DAX-Jahr ist die Erwartungshaltung der Investmentexperten auch für 2020 positiv. Bei durchschnittlich 14.025 Punkten soll der deutsche Leitindex Ende 2020 notieren, prognostizieren die Befragten. Basierend auf dem Schlusskurs vom 11. Dezember 2019 entspräche dies einem Wachstum etwa 6,7 Prozent. Gegenüber der Umfrage vom Vorjahr, in der im Mittel 15 Prozent Wachstum geschätzt wurden, haben sich die Hoffnungen für das kommende Jahr damit mehr als halbiert.

Die Wachstumsprognosen für andere Indizes sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls niedriger, aber dennoch optimistisch. Den Euro Stoxx 50 sehen die Vermögensverwalter mit einem erwarteten Zuwachs von 6,6 Prozent bei 3.930 Punkten, von japanischen Unternehmen im Nikkei 225 werden im Mittel 7,6 Prozent oder 25.175 Punkte erwartet. Weitaus mehr Hoffnungen setzt man dagegen im US-Wahljahr in den S&P 500: Dieser soll um durchschnittlich 10,3 Prozent auf 3.465 Punkte ansteigen.

Ebenso zuversichtlich sind die Experten bei Rohstoffpreisen. Die Nachfrage nach Gold und Silber soll den Preis je Unze um rund 7,1 Prozent bzw. 7 Prozent steigen lassen. Das 2018 prognostizierte Preisniveau von 64 US-Dollar je Barrel WTI-Rohöl wurde zum Ende dieses Jahres nicht erreicht. Für kommendes Jahr erwarten die Vermögensverwalter nur marginale Veränderungen zum Status quo von 58,62 US-Dollar und gaben im Durchschnitt einen Preis von 60,90 US-Dollar an.

Universal-Investments achte Umfrage unter unabhängigen Vermögensverwaltern zeichnet optimistisches Börsen-Bild für 2020

Depotempfehlung: An Aktien führt kein Weg vorbei, Anleihen in lokaler Währung als Option

Hohe Erwartungen und Handelsstreit: USA und China gelten als Sorgenkinder

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Prognostiziertes Wachstum von Aktienindizes 2020
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Erwartete Entwicklung der Rohstoff-Preise

Unveränderte Erwartungen an Zinspolitik und neuer Führung der EZB

Mit dem Wechsel von Christine Lagarde an die Spitze der Europäischen Zentralbank verbinden die Befragten keinen Kurswechsel. Etwa 59 Prozent denken, dass Quantative Easing und sinkende Zinsen fest zum Repertoire der zukünftigen Zinspolitik gehören werden. Immerhin: alle anderen Befragten gaben an, dass Lagarde es schaffen wird die Lager aus „Tauben“ und „Falken“ aufzubrechen und einen Kompromiss zu finden.

Eine baldige Änderung des Leitzinses erwarten die Vermögensverwalter folgerichtig nicht. Exakt 50 Prozent sehen 10-jährige Bundesanleihen noch mehr als fünf Jahre unter einem Prozent notieren, etwa 38 Prozent der Befragten immerhin noch zwischen drei und fünf Jahren. Den EZB-Leitzins für das kommende Jahr wird im Mittel bei -0,13 Prozent erwartet. Auch die Zinshoffnungen in die FED schwinden: Nach durchschnittlicher Schätzung der Befragten werden die US-Notenbanker den derzeitigen US-Leitzins von 1,5 bis 1,75 Prozent auf 1,08 Prozent senken. Sieben von zehn Vermögensverwalter rechnen damit, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar stärker werden wird. Die Gefahr einer Zinskorrektur der Anlagen sieht nur jeder Sechste, während die Mehrzahl dies als kein oder nur ein geringes Risiko betrachtet.

Hohe Erwartungen aber auch Sorgen um US-Wirtschaft und China

Befragt wurden die Vermögensverwalter auch nach diversen volkswirtschaftlichen Entwicklungen. Für die wichtigsten Regionen der Weltwirtschaft erwartet das Gros der Befragten ein Wachstum von bis zu 2 Prozent. Eine Rezession wird von 9 Prozent für den europäischen Wirtschaftsraum befürchtet, 5 Prozent nehmen selbiges für Japan an. Das realistischste geldpolitische Szenario für die Eurozone ist für etwas mehr als die Hälfte der Befragten eine Stagnation.

Obwohl vier von fünf Befragten für China ein Wirtschaftswachstum von mehr als 2 Prozent (52 Prozent) oder gar eine Hochkonjunktur mit mehr als 5 Prozent Wachstum (29 Prozent) prognostizieren, wird das Land bei den meisten Befragten als Sorgenkind genannt. Als die häufigsten Gründe, die Potenzial für negative Überraschungen bieten, werden der schwelende Handelsstreit mit den USA sowie die hohen Erwartungen an das Wachstum genannt. Der Handelsstreit, die oft irrational wirkende Politik Donald Trumps und die nicht als nachhaltig erachtete Fiskalpolitik bringen die USA in dieser Frage auf den zweiten Platz nach China. Der Brexit hievt Großbritannien auf Platz drei. Für Deutschland erwartet ein Drittel aller Umfrageteilnehmer ein Wachstum von bis zu einem Prozent, 59 Prozent sehen ein BIP-Wachstum zwischen 1 und 2 Prozent. Nur 9 Prozent rechnen mit einer rückläufigen Wirtschaft, die bis zu einem Prozent schrumpft.

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Regionale Konjunkturerwartungen

Aktien übergewichten und weltweit streuen

Angesichts dieser Rahmenbedingungen empfehlen die unabhängigen Vermögensverwalter Privatanlegern ihre Investments breit zu streuen und insbesondere durch Aktien Vermögen aufzubauen. „Nur eine ausreichende Aktienquote führt 2020 zum Erfolg“, ist sich Frank Krekel von der UNIKAT Vermögensverwaltung sicher. „Internationale Aktien übergewichten“, stimmt Matthias Lang von Lang & Hink Finanzpartner mit ein. Nach Meinung der Investmentexperten sollten den Schwerpunkt mit 40,5 Prozent Aktien aus Industrienationen bilden. Ferner empfehlen sie das Exposure gegenüber Schwellenländern zu erhöhen (von 6 auf 13 Prozent). Renten sollten mit 21,9 Prozent nur noch einen kleineren Anteil des Portfolios bilden (Vorjahr: 26 Prozent). Dennoch können Nischen dieser Anlageklasse weiterhin sinnvoll sein, ist Alexander Karbstein von Capitulum Asset Management überzeugt: „Anleihen in lokalen Währungen bieten auch nach der sehr guten Wertentwicklung 2018 noch sehr attraktive Renditen.“

Immobilien (8,3 Prozent), Gold und andere Edelmetalle (8 Prozent) sollten das Portfolio weiter diversifizieren. Insbesondere Gold erachten mit 86 Prozent viele der Befragten als wirksamen Inflationsschutz: „Gold im Portfolio ist analog zu einer Brandschutzversicherung einer Immobilie“, fasst es Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender der FIVV AG und des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter e. V., zusammen. Allerdings sollen sich Anleger doch „bitte nicht von Crash-Propheten und deren Bestseller-Büchern verunsichern lassen“, greift Dr. Christian Funke von Source For Alpha den medialen Diskurs auf. Es lohne sich langfristig strategisch und mit Weitblick an den Wertpapiermärkten investiert zu bleiben. „Don't be afraid – Sachwerte bleiben die Favoriten“, ergänzt Geschäftsführer Thomas Seppi von der Frankfurt Performance Management AG.

Unabhängig von der Anlageklasse setzen Vermögensverwalter in der regionalen Allokation stark auf Deutschland (20,1 Prozent), Europa (24,0 Prozent) und die USA (29,5 Prozent). Japan (6,6 Prozent), China (9,1 Prozent) und die übrigen Schwellenländer (8,4 Prozent) vervollständigen das weltweit gestreute Portfolio.

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Empfohlene Allokation über Anlageklassen
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Empfohlene Allokation der Anlagen über Regionen

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NB: Als Basis aller im Text erwähnten prozentualen Wachstumsangaben dienen die Schlusskurse vom 11. Dezember 2019. Hochauflösende Dateien der Infografik sowie derer Elemente stehen hier zum Download bereit.

Bernd Obergfell

Head of Communications

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