Die globalen Klimaziele sind ohne Einbeziehung des Finanzsektors nicht erreichbar. Foto: martinwimmer Quelle: iStock

Nachhaltigkeit: Gekommen, um zu bleiben

Autor: Robert Bluhm

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt einen stetig wachsenden Stellenwert ein: Mehrere Initiativen sollen die institutionelle Geldanlage stärker auf gesellschaftlichen Nutzen ausrichten, etwa die Corporate-Social-Responsibility-Richtlinie: Sie verpflichtet Unternehmen einer bestimmten Größe zur Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen, die Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange betreffen.

Von den Vereinten Nationen gefördert werden die Prinzipien für verantwortungsbewusste Geldanlage (PRI – Principles for Responsible Investment). Wer ihnen folgt, bezieht – freiwillig – Faktoren wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG – Environment, Social, Governance) in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich ein. Die von der UN-Generalversammlung verabschiedete „Agenda 2030“ nennt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung.

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Agenda 2030: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung Quelle: United Nations Department of Global Communications / SDG

Die globalen Klimaziele sind ohne Einbeziehung des Finanzsektors nicht erreichbar.

Spätestens seit dem Pariser Klimagipfel im Jahr 2015 ist klar, dass die globalen Klimaziele ohne die Einbeziehung des Finanzsektors nicht erreichbar sind. Doch ohne klare Kriterien für nachhaltige Investments dürfte privates Geld kaum für nachhaltige Entwicklungen mobilisiert werden können.

Die Europäische Union reagierte: Zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wurde im März 2018 ein Aktionsplan beschlossen, bald darauf folgten konkrete Vorschläge für Verordnungen.

Eine Taxonomie-Verordnung soll Kriterien definieren, um den Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messen zu können.

Eine Transparenz-Verordnung soll vorgeben, wie Finanzmarktteilnehmer Klarheit schaffen müssen über die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken in Finanzprodukten sowie in Investitionsentscheidungs- oder Anlageberatungsprozessen. Die Benchmark-Verordnung soll erweitert werden um eine „kohlenstoffarme“ Benchmark und eine weitere, die Einzeltitel mit positiven Auswirkungen auf die CO2-Emissionen enthält.

Mit Blick nach Brüssel fragen sich institutionelle Investoren, ob sie ihre Portfolios nun umstrukturieren müssen. Zwar wird die EU jetzt (noch) nicht festlegen, dass Finanzanlagen an ESG-Kriterien ausgerichtet werden müssen. Aber: Der Druck auf Anleger wächst, sich zumindest einen Überblick über die ESG-Eigenschaften ihrer Portfolios zu verschaffen. Und: Wenn es einheitliche Vergleichsmaßstäbe, klare Definitionen und Transparenz gibt, wird der öffentliche Druck auf Anleger steigen, verstärkt in Nachhaltigkeit zu investieren und über diese auch zu berichten.

Die Initiative der EU zeigt: Nachhaltigkeit ist kein Modetrend. Schon seit einiger Zeit lassen vor allem Stiftungen und kirchliche Einrichtungen Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage einfließen. Auch mehr als 75 Prozent aller Assekuranzen haben laut Branchenverband GDV bereits eigene ESG-Konzepte bei der Kapitalanlage berücksichtigt. Und auch Versorgungswerke, Pensionskassen und Treasurer beschäftigen sich zunehmend mit ESG-freundlichen Anlagen.

Robert Bluhm, Sustainability Officer, Head of Securities Product Management, Universal-Investment Foto: Alexander Habermehl

Universal-Investment hilft dabei:

Schon vor zwei Jahren wurde begonnen, das umfassende Reporting-Angebot um einen Nachhaltigkeitsbaustein zu erweitern. Inzwischen kann dieses ESG-Reporting jeder Investor nutzen, dessen Vermögenswerte auf der UniversaI-Investment-Plattform liegen. Das Produkt basiert auf der Systematik von MSCI, dem weltweit größten Anbieter von ESG-Research.

Die Nachhaltigkeit eines Portfolios wird mit einem Scoring-Modell auf einer Skala von 0 bis 10 gemessen und mit den ESG- oder CO2-Scores einer Nachhaltigkeits- und einer konventionellen Benchmark verglichen. Weitere Analysen zeigen, welche Einzelpositionen besonders positive oder negative Nachhaltigkeitsscores aufweisen. Auswertungen für „Business Involvement“ oder „Impact Monitor“ zeigen, ob und wie stark kontroverse Branchen, Länder oder Praktiken in einem Portfolio vertreten sind. Für ein individuelles Portfolio kann so eine ESG-Analyse und der CO2-Fußabdruck dargestellt werden.

Ein weiterer Vorzug der ESG-Research-Systematik von MSCI: Der „Best in Class“-Ansatz honoriert, wenn Unternehmen sich im Vergleich zu anderen Firmen ihres Sektors klar nachhaltiger verhalten. Industriezweige, die beispielsweise viel Wasser oder Energie benötigen, werden somit nicht pauschal „uninvestierbar“.

Für Investoren sind ESG- und CO2-Reporting erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Das ist nicht nur gut für Umwelt und Gesellschaft, sondern bringt handfeste Vorteile:

– Besseres Risikoverständnis:

Die traditionelle Risikomessung wird durch ESG-Kriterien sinnvoll ergänzt – durch den Blick auf die Risiken für das Gemeinwohl. Solche Risiken können auch finanzielle Nachteile haben, etwa durch Kosten bei Umweltschäden.

– Performance-Vorteile:

Performance-Beiträge können nach den einzelnen ESG-Kriterien aufgeschlüsselt werden. Wissenschaftliche Studien legen überwiegend einen positiven Zusammenhang zwischen ESG-Orientierung und risikoadjustierter Performance nahe.

– Zukunftssicherheit:

Wer heute schon ein ESG-Reporting nutzt, ist besser vorbereitet, wenn weitere regulatorische Vorgaben zur nachhaltigen Geldanlage kommen.

Oktober 2019

Autor: Robert Bluhm
Erscheinungsdatum: 30.01.2020